Die Mao-Bibel – wer kennt sie nicht von 68er-Fotos? Wer kennt nicht solch lustigen Ausdrücke wie Papiertiger, die fleißig in unsere Sprache lehnübersetzt wurden? Aber wer kennt den Text denn eigentlich wirklich noch? Eben. Deshalb war ich hochbegeistert, als ich die Mao-Bibel auf einem Kieler Flohmarkt in die Finger bekam und endlich selbst lesen konnte, was so vielen Menschen so wichtig war.

Bei der Lektüre selbst war ich dann sehr erschreckt. Denn was hier alles schwarz auf weiß steht, nennt man landläufig Diktatur. Und man braucht nicht einmal besonders helle zu sein, um das an Forderungen wie der Vernichtung des Gegners zu erkennen. Es steht sehr deutlich da. Deshalb wurde mir beim Lesen auch bewusst, was für Knalltüten das waren, die 68 mit diesem lustigen Taschenbuch für Möchtegerntyrannen herumwedelten: Entweder hatten sie es nicht gelesen (dumm), nicht verstanden (dümmer) oder sie meinten ernst, was darin geschrieben steht (unfassbar dumm, gerade angesichts unserer Geschichte).

Trotzdem möchte ich dieses Buch heute in meiner Sammlung nicht missen. Es ist und bleibt ein wichtiges historisches Dokument.