Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Italo Svevo

Joachim Kersten (Hrsg.), Der Tagebuch-Rabe

Tagebücher sind eine seltsame literarische Gattung. Vermutlich gibt es kaum eine andere, die so oft begonnen, aber nicht fortgeführt, geschweige denn veröffentlich wird. Letzteres ist allerdings in den allermeisten Fällen wohl auch eher weniger wünschenswert. Umgekehrt ist es aber in zahlreichen Fällen enorm spannend, was manche Leute so notiert haben. Nicht zuletzt gilt vielen das tägliche Schreiben als wertvolle Übung oder wie Italo Svevo zu Beginn des Tagebuch-Raben (Rabe Nr. 34) zitiert wird:

„Ich glaube, glaube aufrichtig, dass es kein besseres Mittel gibt, um eines Tages richtig schreiben zu können, als täglich etwas hinzukritzeln.“

Dementsprechend changieren die Texte in diesem Raben zwischen amüsant und nachdenkenswert. Immer stillen sie aber diesen Voyeurismus, über den man als ambitionierter Leser wohl genauso verfügen muss wie gute Autoren. Denn dann und vermutlich nur dann kommt man zu Erkenntnissen, wie Jan Philipp Reemtsma sie hier in seinem Rom-Tagebuch niederschreibt:

„Das Pantheon ist der schönste Raum der Welt.“

Francois Bondi, Ragni Maria Gschwend, Italo Svevo

Svevo ist mir irgendwie sympathisch. Man mag sich ja leicht täuschen, wenn man versucht, Menschen einzuschätzen, die man nur sehr indirekt und womöglich über weite Räume oder Zeiträume getrennt „kennenlernt“, aber ich habe meines Wissens nur Zeilen über Svevo gelesen, die ihn als einen Menschen darstellten, mit dem man gern ein Glas Chianti getrunken und ein wenig parliert hätte. Zu diesem Bild trägt die kleine Rowohlt-Biographie erneut bei. Ettore, lass uns anstoßen!

Italo Svevo, Ein Mann wird älter

Wenn ich es richtig überblicke (ich bin mir gerade aus dem Kopf nicht sicher, ob und wenn ja, welches Werk von Svevo meiner Bibliothek fehlt), liegt mit diesem Roman das zweitwichtigste Buch aus der Feder des „italienischen Schwaben“ vor. Es geht einmal mehr um das Thema „alter Mann verknallt sich in junge Frau“, das für Ettore Schmitz so typisch sein sollte (nur für die, die es nicht wissen: Italo Svevo war sein Pseudonym).

Mit Wörtern wie „Thema“ und „typisch“ drücke ich natürlich schon den Finger in die Wunde. Ich möchte aber betonen, dass dieser wiederkehrende Topos bei Svevo nie langweilig wird. Bei aller Ähnlichkeit bringt er von Mal zu Mal Fazetten hinzu, die durch die herrliche Schilderung immer interessant bleiben.

Italo Svevo, Schriften über Joyce

Natürlich tut man Svevo unrecht, wenn man ihn auf seine Beziehung zu James Joyce beschränkt. Der Triestiner war eben auch literarisch eine wichtige eigenständige Persönlichkeit. Trotzdem kann man auch nicht ignorieren, dass die beiden sich kannten und miteinander befreundet waren. Diese Sammlung kleiner Schriften sind zwar nur eine Teil des Puzzles aus Dublin, aber dennoch interessante Lektüre für Freunde der Texte aus den Häusern Joyce und Svevo.

Italo Svevo, Die Novelle vom guten alten Herrn und vom schönen Mädchen

Auf eine Weise bringt allein der Titel dieser Novelle das literarische Hauptthema Svevos auf den Punkt. Ein bereits abgesicherter Mann – in diesem Fall Witwer – lässt sich von einer jungen Dame betören. Bei Svevo besitzt dieser Topos aber überhaupt keine Schmierigkeit und wirft keine unangenehmen Schatten. Bisweilen geht es eher in die Tragikomik, dabei aber stets lesenswert.

Elio Schmitz, Italo Svevo. Meine alte, unglückliche Familie Schmitz. Elios Tagebuch und andere Zeugnisse

Ein weiterer kleiner Band aus meiner Svevo-Sammlung, diesmal erzählt der Bruder von Ettore. Das Buch ist sicher kein Meilenstein in meiner Bibliothek, aber doch ein kleines und nicht einmal unwichtiges Puzzlestück zum Verständnis des Mannes, der sich Italo Svevo nannte

Italo Svevo, Kurze sentimentale Reise

Ein dünnes Bändchen, das nur wenig Eindruck bei mir hinterlassen hat. Fraglos ein schlechtes Zeichen. Es geht um einen älteren Herrn, seine Reise per Bahn und die damit verbundenen Bekanntschaften sowie in der Hauptsache darum, dass jemand unfähig zum Leben ist. Wie eigentlich immer bei Svevo. Nur dass es hier eher behäbig umgesetzt ist.

Italo Svevo, Zenos Gewissen

Drei einfache Worte: Ich liebe es. Wohl nur wenige Bücher haben mich in den letzten 15 Jahren dermaßen amüsiert wie der mit einem schmunzelnden Auge verfasste Bericht, den der italienische Schwabe Ettore Schmitz seinem Protagonisten in die Feder legt. Als Lebensbericht für Zeno Cosinis Psychiater angelegt enthält es eine Unzahl von lustigen, spannenden, immer aber unterhaltsamen Ereignissen aus der Lebenswelt eines finanziell gutgestellten Triestiners zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Egal ob Svevo Cosinis „letzten Zigaretten“ beschreibt, eine Seance oder eine Bootsfahrt – man kann sich bei der Lektüre nur amüsieren. Alles andere ist unmöglich! Und deshalb ist es ein Muss für alle, die es noch nicht gelesen haben.

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