Eine Sache, die ich eng mit meiner Mutter verbinde, ist ihr Schminken. Sie stellte sich, egal wohin sie die Wohnung auch verließ, immer noch einmal kurz vor den großen Spiegel im Flur und prüfte ihr Aussehen, ihr Make-up, ihre Frisur. Selbst den Müll hätte sie niemals ungeschminkt heruntergebracht. Natürlich war sie auch stets geschminkt, wenn sie und ich samstags zum Markt gingen. Meine Schwester ging in meiner Erinnerung eher nur dann mit, wenn auch unser Vater mitkam. Gemeinsam mit meiner Mutter besuchte ich auf dem Markt Obst- sowie Gemüsestände und bei den Fischständen genehmigten wir uns ein Krabbenbrötchen. Das machen meine Mutter und ich heute noch, wenn sie mich mal besucht und gerade Markt ist. Außerdem kaufte sie jedes Wochenende Schnittblumen, die ich nach Hause tragen durfte („Immer mit den Köpfen nach unten, Herr Michel Eichhorn!“). Überhaupt hat meine Mutter den sprichwörtlichen grünen Daumen mit all ihren Topf- und Schnittblumen. Gnädigerweise habe ich diesen Daumen gutteils geerbt, wenn ich einmal von der Problematik absehe, dass in meiner aktuellen Wohnung sämtliche Pflanzen entweder auf der Südwestseite verbrennen oder beim Nordostfenster in der ewigen Finsternis Mordors verdorren.