Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

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Stefan Zweig, Schachnovelle

Es ist schon einige Jahre her, dass ich die Verfilmung mit Curd Jürgens gesehen habe. Und obwohl ich eigentlich nichts Besonderes erwartet hatte, kann ich mich heute noch daran erinnern, dass mich der Film in seiner schlichten, aber packenden Geschichte gefesselt hat. Eher zufällig bin ich jetzt nach einigen Jahren auch auf den Text gestoßen und dachte: Warum nicht auch mal lesen?

Kurz zum Grundthema: Ich finde Schach relativ öde. Zugegeben, ich spiele es nur sehr rudimentär, um nicht zu sagen lächerlich schlecht. Das hat zum Teil damit zu tun, dass ich es an sich relativ langweilig finde (Go ist schon aufgrund der viel größeren Möglichkeiten wesentlich mehr Tiefe). Das hat aber noch mehr damit zu tun, dass die Mehrheit der guten und sehr guten Schachspieler an meiner Schule frappierend dumm waren. Und ich meine im Wortsinne dumm. Die konnten ihre Züge auf dem Brett, waren aber sonst kaum in der Lage das Klassenzimmer zu finden, geschweige denn in irgendeinem Fach oder auch nur als Mensch zu glänzen. Tja, und seitdem habe ich einen etwas unangenehmen Beigeschmack, wenn mir jemand mit Schach kommt.

Nicht aber – um endlich aufs Buch zurückzukommen – im Fall dieser Novelle! Es ist enorm spannend, selbst wenn man vom Spiel keine Ahnung oder daran kein Interesse hat. Denn viel wichtiger als das Spiel ist ja die Schilderung der Psyche. Und gerade das macht sie so interessant und eindeutig empfehlenswert!

Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick

Kommen wir mal wieder zur Abteilung Schullektüre. Dieses Buch habe ich zwar ausgerechnet bei der Deutschlehrerin gelesen, mit der ich ansonsten lediglich die Wertschätzung von Trakl geteilt habe. Aber ich tendenziell fand ich den Hauptmann durchaus interessant. Wenn man mal von der Geschichte als solchen absieht (die Zuckmayer ja nun nicht erfunden hat), haben mich damals vor allem die verschiedenen Schattierungen des Dialekts interessiert, die mit der gesellschaftlichen Stellung der jeweiligen Figur einhergeht. Ja, ich möchte davon ausgehend fast die Behauptung aufstellen, dass es sich hier um den ersten von mir gelesenen Roman handelt, bei dem ich eine literaturwissenschaftliche Herangehensweise gelernt und deren Sinn begriffen habe.

Zuletzt eine Frage: Hat irgendeiner meiner Leser eine Ahnung, warum ich seit Jahren schon immer das Gefühl habe, Zuckmayer ohne e schreiben zu wollen?

Emile Zola, Germinal

Ich bin mir nicht darüber im Klaren, ob man als Potti einen besonderen Draht zu einem Buch hat, das sich dermaßen mit der Geschichte im Pütt beschäftigt, selbst wenn es ein anderwärtiger Pütt ist. Aber wer eben mit Fördertürmen aufgewachsen ist – selbst wenn sie längst stillgelegt waren wie in meinem Umfeld – versteht die Sprache, die Bedrohung, die Ängste und den Druck doch eher als ein bayrischer Almhirte.

Ich denke aber, dass es nicht allein daran liegt, dass mir das Buch über die unmenschlichen Umstände des Bergbaus im 19. Jahrhundert so gut gefällt. Bei Zola kommt hinzu, dass es äußerst gut recherchiert ist und darüber hinaus spannend geschrieben.

Es gehört zum sozialen Kanon der Bücher Europas, die gesellschaftlich Interessierte unbedingt kennen sollten.

Nebenbei: Wer eher kurze Bücher bevorzugt, dem kann die Verfilmung mit Gérard Depardieu empfohlen werden. Sie vereinfacht zwar Kleinigkeiten, stellt das Buch aber sehr gut dar. Eigentlich krankt sie lediglich an dem Detail, dass der angeblich seit Wochen nur von Kohlsuppe lebende Bergmann Depardieu im Zuber mit einem Wanst badet, der an Moby Dick erinnert – ganz sicher jedoch nicht an einen darbenden Bergmann.

Paul Zech (Nachdichtung), Die lasterhaften Balladen und Lieder des Francois Villon

Was hab ich sie gern gelesen, einzelne sogar auswendig gelernt (den Erdbeermund natürlich, den kleinen Herrn Ranunkel, Wer’s lang hat und die Lästerzungen …). Anfangs amüsierte ich mich noch darüber, sie in einem Klaus-Kinski-Imitat zu sprechen, erst später „erfand“ ich meine eigene Form der Aussprache und Betonung. Ja, Villon ist mitteleuropäisches Kulturgut. Geboren im spätmittelalterlichen Frankreich, wiedergeboren in der deutschsprachigen Moderne dank der genialen nachgedichteten Übertragung von Zech. Ein Buch, das wohl zu den letzten 20 Büchern gehören würde, wenn ich mich von den meisten meiner Bücher trennen müsste. Einfach weil so dicht gedrängt so viel darin steckt. Lesen und behalten, sag ich!

Frank T. Zumbach, William Kidd. Über einen Erzpiraten, amerikanische Freibeuter und korrupte Herren mit hohen Perücken

Eins der besten Piratenbücher, die ich besitze. Dabei bin ich gar kein sonderlich großer Kidd-Fan – im Gegenteil, Piraten wie Blackbeard oder Morgan finde ich wesentlich spannender. Trotzdem gelingt es Zumbach, all das zu bringen, was historische Piraten für uns heute so interessant macht.

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