Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: China

Die Räuber vom Liang Schan Moor

Es war angeblich Mao Zedongs Lieblingslektüre, die Geschichte der Räuber aus dem Liang Schan Moor. Es war definitiv eine meine Lieblingsserien, als ich Kind war. Die Lektüre war daher Zeitreise, kulturgeschichtliches Erlebnis und viel, viel Staunen. War die Serie noch eine Art zeitgeschichtliches Dokument, so erlebt man bei der Lektüre ein fabulöses Märchen aus Versatzstücken chinesischer Geschichte, gewürzt mit tolldreisten Zauberern, leibhaftigen Drachen und allerlei intensiven Schilderungen. Es ist qualitativ ein Mix aus Tausendundeiner Nacht, Simplicissimus und Marco Polo.
Wer wie ich wenigstens einmal die Woche der asiatischen Küche huldigen muss und auch ansonsten fasziniert auf das Reich der Mitte blickt, der kommt um diesen Text praktisch nicht herum. Absolute Leseempfehlung!

PS: Gehört natürlich zum Kanon der chinesischen Klassiker.

Eisherz und Edeljaspis oder Die Geschichte einer glücklichen Gattenwahl

Einer der großen Klassiker der Ming-Dynastie – lange in Europa, namentlich in Deutschland unbekannt. Den Zugang ermöglichte der Übersetzer Franz Kuhn, der in den 20er Jahren des 20. Jahrhundert so manche fernöstliche Perle les- und verstehbar machte. Ja, mir ist bekannt, dass er bei dem ein oder anderen Roman Kürzungen oder Änderungen vornahm, die einen modernen Sinologen die Nase rümpfen lassen. Aber das schmälert nicht Kuhns Verdienst, uns diese fernöstliche Welt nahe zu bringen.

Meine Ausgabe von Eisherz und Edeljaspis ist ein Band aus dem Jahr 1926, in Fraktur gedruckt. Es geht um die Geschichte des klugen Helden Edeljaspis, der auf Umwegen die schöne und ebenso kluge Eisherz kennen- und schätzenlernt. Sie selbst – nach der Verbannung ihres Vaters auf sich allein bzw. die Gunst des Onkels gestützt – muss sich dem Werben eines unangenehmen Großkotzes widersetzen, und zwar ohne die gute Sitte zu verletzen. Sie findet dazu allerlei Finten, bis ihr schließlich der unvermeidliche Edeljaspis zur Seite steht und beide gemeinsam für das Gute kämpfen, nämlich für die Einhaltung der guten Sitte. Darin sind sie letztlich so vorbildlich, dass der ehrwürdige Kaiser selbst sie empfängt und belohnt.

Ein wirklich interessantes Sittengemälde, oft amüsant, immer spannend und anders als die Räuber vom Lian Schang Moor komplett realistisch gehalten. Selbstverständlich eine gute Ergänzung zum Kin Ping Meh und zum Traum der Roten Kammer.

Kin Ping Meh oder die abenteuerliche Geschichte von Hsi Men und seinen sechs Frauen

Ein weiteres Buch aus dem Trio chinesischer Klassiker zusammen mit dem Traum der Roten Kammer und den Räubern vom Liang Schan Moor. Es ist ein furioser, ein abenteuerlicher Ritt durch Chinas Kaiserzeit und jedem zu empfehlen, der so regelmäßig und gern asiatisch essen geht wie ich.

Der Traum der Roten Kammer

Beim Traum handelt es sich um den dritten großen Text der chinesischen Klassik zusammen mit den Räubern vom Liang Schan Moor und dem Kin Ping Meh. Der Traum ist zwar ein hochinteressantes Sittengemälde seiner Zeit, inhaltlich aber eindeutig der schwächste Text in diesem Trio. Schön, dass ich ihn gelesen habe, muss ich aber nicht noch mal haben.

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