Essays, Skizzen und Gedanken

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Benjamin Renner, Der große böse Fuchs

Ja, richtig gelesen, in diesem Comic übernimmt der Fuchs die Rolle des Bösewichts. Oder doch nicht? Nicht ganz vielleicht. Denn obwohl er ständig versucht, seinen Hunger mit Hühnern zu stillen, ist er da doch nicht sehr erfolgreich. Ein nahezu perfekter Plan des Wolfs könnte Abhilfe schaffen, doch leider …

Der große böse Fuchs
Hat Küken zum Fressen gern: der große böse Fuchs

Meine Empfehlung: Wer gern Comics liest, wer Humor à la Wallace & Gromit mag und idealerweise noch Kontakt zu Kindern hat, wird sich köstlich amüsieren.

Simon Schwarz, Vita Obscura

Als ich den Freitag noch abonniert hatte, las ich Schwarz’ Reihe „Vita Obscura“ schon gern. Mir war damals nicht klar, dass er sich da insbesondere dank dem Freitag so austoben durfte. Als ich nun zufällig in meiner Stammbuchhandlung einen Band entdeckte, war mir klar: Das brauch ich.

Vita Onscura
Unprominente Prominente

Gekauft, nach Hause gebracht und sofort durchgelesen.

Schwarz hat hier nicht nur absolut ungewöhnliche Leben vorgestellt, sondern lässt auch die grafische Darstellung auf intelligente Weise mit dem Inhalt korrespondieren. Daher kann ich diese Ausflüge in mehr als ungewöhnliche Leben wirklich nur empfehlen.

Héctor Gérman Oesterheld, Francisco Solano Lopéz, Eternauta

Es ist gar nicht lange her, da habe ich Eternauta hier schon einmal besprochen, allerdings die Version 1969, gezeichnet von Alberto Breccia. Diese jüngere Fassung gefiel mir schon sehr, abgesehen davon, dass sie v.a. zum Ende extrem gestaucht war, nachdem Oesterheld und Breccia aus politischen Gründen sozusagen das Papier unter den Händen weggezogen wurde.

Damals war mir schon klar, dass ich auf jeden Fall irgendwann die erste Fassung lesen wollte. Zum Geburtstag war es so weit.

Eternauta – die Urfassung

Der erste Eindruck: Hier hat der Avant-Verlag einmal mal sehr engagiert gearbeitet. Die Edition sieht großartig aus, der Comic selbst wird umrahmt von Artikeln, die gute Einblicke in die Welt und Familie von Oesterheld gewähren. Solanas Zeichnungen sind handwerklich insgesamt sauber, manchmal in der Ausarbeitung von Gesichtern etwas schludrig, aber praktisch nie auf Breccias hohem Niveau (wobei ich einräume, dass zwischen den beiden Herangehensweisen natürlich auch ein paar Jahre liegen). Oesterhelds Geschichte aber, die ist wirklich grandios. In dieser Urfassung wird mir erst so richtig klar, was für ein guter Autor Oesterheld war. Klar, bei einer Geschichte „Außerirdische überfallen die Erde und Menschen wehren sich“ ist die Steigerung der Handlungen obligatorisch. Wie Oesterheld das aber gestaltet, was er drumherum gestaltet, welchen Rahmen er bietet, was da alles drinsteckt und nicht zuletzt: Wie sehr er die Militärherrschaft in Argentinien mit dieser Geschichte vorwegnahm – das alles macht die Geschichte einzigartig und sichert Oesterheld einen ganz eigenen Platz im Olymp der Autoren. Und ich schreibe mit Absicht nicht Comicautor; denn die Geschichte, die er hier abliefert, würde problemlos auch als Buch ohne Bilder funktionieren.

Mir ist nicht ganz klar, ob ich einfach nur ewig brauchte, um Oesterheld zu entdecken oder ob er in Deutschland wirklich so ein Nischendasein fristet. Verdient hat er jedenfalls die ganz große Bühne. Dringende Empfehlung für alle Comicfreunde!

Hugo Pratt, Corto Maltese. Im Zeichen des Steinbocks

In diesem Band zieht es Maltese an die Küsten Südamerikas. Hier hilft er einem Waisen aus England dabei, seine Halbschwester zu finden.

Im Zeichen des Steinbocks ist etwas zerfasert; eine einheitliche Geschichte findet sich kaum, eher Geschichtchen, die locker mit der Region verbunden sind und bei denen er eine Handvoll Begleiter an seiner Seite hat bzw. trifft.

Tolle Bilder – wie üblich bei Pratt. Die Story ist leider eher ein Sammlung leichter Sommerträume.

Simon Spruyt, Junker. Ein preußischer Blues

Comics und Graphic Novels kommen hier eher selten vor. Das finde ich eigentlich schade, denn ich lese gute gezeichnete Geschichten wirklich sehr gern.

Als ich nebenbei über Junker stolperte, war ich recht schnell daran interessiert. Eine Zeitlang lag die Idee, mir die Novel zu besorgen, etwas flach. Irgendwann ergab es sich dann aber doch und ich griff zu.

Die Zeichnungen sind wirklich herrlich. Sauber, sehr bedacht und immer auf den Punkt. Die Geschichte selbst geht sich ebenfalls gut an. Je weiter man zum Ende gelangt, desto mehr fragt man sich aber: Wie will Spruyt das noch auf den paar Seiten auflösen? Gab es etwa einen zweiten Band, von dem ich noch nichts wusste?

Den scheint es aber partout nicht zu geben und ja, richtig, am Ende, eine im Vergleich zur Vorgeschichte etwas banale Wendung, von der ich nichts verraten möchte.

Trotz diesem Knackpunkt fand Junker dennoch mein Gefallen.

Franquin, Schwarze Gedanken (komplett)

Nennt mich milzsüchtig, nennt mich bösartig, nennt mich, was ihr wollt – aber ich mag Franquins Schwarze Gedanken. Sie zeugen nicht nur davon, dass da jemand sehr genau verstanden hat, wie verderbt die ganze Welt ist, sondern der auch die der Verderbnis innewohnende Lächerlichkeit erkannt hat und sie ausdrucksstark in Szene zu setzen verstand. Die richtige Lektüre für Realisten. Ein paar soll es ja noch geben.

Hendrik Dorgathen, Space Dog

Dem Zeichner Dorgathen gelang Anfang der 90er mit diesem Comic eine kleine Sensation: Die kleine Geschichte um einen Hund, der zum heldenhaften Astronauten wird, und die dabei komplett ohne jedes Wort auskommt (abgesehen vom Buchtitel) war beim Erscheinen ein recht bekannter Knaller. Damals gefiel mir die Idee, sich auf Bilder zu beschränken, dabei eine nette kleine Geschichte zu erzählen und dazu grafische Mittel zu verwenden, wie ich sie gerade damals auch in eigenen Arbeiten gern genutzt habe. Genau genommen würde ich vieles sogar heute noch nutzen, wenn ich denn wieder mehr Zeit für eigene Arbeiten fände – aber das ist ja wieder ein anderes Thema.
Trotz des Lobs muss ich allerdings einräumen, dass ich Space Dog heute irgendwie recht lahm finde. Vielleicht ist die Geschichte einfach zu klein, um über Jahre zu leben. Aus grafischen Gründen ist der Band aber weiterhin dem zu empfehlen, der ihn noch nicht kennen sollte.

Gilbert Shelton, Famous Tales of Fat Freddy’s Cat

Wer die Fabulous Fury Freak Brothers kennt, kennt auch Fat Freddy’s Cat. Das launige Pelztier, das zwischen Kakerlaken und Dope seinen Tag schlafend und fressend verbringt und seinem Herrchen mit Vorliebe in die Pantoffeln kackt oder auf die Matratze schifft, erlebte als Sidekick zahlreiche amüsante Abenteuer. In diesem amüsanten Band sind sie (weitgehend) zusammengestellt, sodass man sich bei der Lektüre über Truthähne, Katzenenkel und Walderlebnissen einer Stadtkatze auf diesen Kater konzentrieren kann.

Hugleikur Dagsson, Finden Sie DAS etwa komisch?

Ich möchte wetten, dass die Mehrheit die Cartoons von Dagsson ohne Nachdenken einfach geschmacklos nennen würde. Zwischen Tod, Sex aller Arten (wirklich ALLER Arten), Folter, seltsamen Zärtlichkeiten und Brutalitäten lotet Dagsson hier Untiefen aus, die als Lackmustest für den eigenen Humor dienen können. Dazu finden sich sehr einfache, aber auf den Punkt genaue Zeichnungen. Kurz: Nicht jeder wird darüber lachen können, ich kann es. Und amüsiere mich darüber. (Ein Beispiel, die Durchsage in einem Flugzeug: „Hier spricht ihr Kapitän. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass ich Sie ausnahmslos hasse!“)

David Zane Mairowitz, Robert Crumb, Kafka. Kurz und knapp

Erst neulich wurde ich unsanft damit konfrontiert, dass die Menschen Kafka erstaunlich wenig kennen. Egal, ob 45, 30 oder 25 – ein Raum voller Kolleginnen kannte KEINE einzige Kafka-Geschichte. Gut, nun mag man meinen, dass Kafka insbesondere von Deutschlehrern (dazu empfehle ich Sebastian Krämers Deutschlehrerlied) leicht überschätzt wird. Aber das ändert nichts daran, dass er für die Literatur, und nicht nur für die deutschsprachige Literatur ein Meilenstein ist und war. Dementsprechend wichtig ist es auch heute noch, sich mit Kafka und seinen Texten zu befassen. Ein interessanter Zugang ist dieser Einstieg auf Comic-Ebene. Wer Kafka und/oder Crumb schätzt, wird diesen Band sehr mögen. Wer Kafka tatsächlich noch nicht kennt, sollte wenigstens hiermit anfangen – oder besser gleich die Klassiker lesen. Die sind nun wirklich gut erreichbar.

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