Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Erzählungen

Mark Twain, Kannibalismus im Zug und andere Erzählungen

Eine wunderbare kleine Neuerwerbung ist dieses Buch. Es enthält folgende Twain-Erzählungen: Eine burleske Autobiographie, Wie man eine Erkältung kuriert, Der berühmte Springfrosch von Calaveras County, Kannibalismus im Zug (super Bahnlektüre!), Ein Tag an den Niagara-Fällen, Die Wahrheit über den großen Rindfleischvertrag, Wie ich einmal eine landwirtschaftliche Zeitung herausgab, Ein geheimnisvoller Besuch, Meine Uhr, Die Geschichte des Vertreters, Der gestohlene weiße Elefant, Die Eine-Million-Pfund-Note, Der Mann, der Hadleyburg korrumpierte, Das Dreißigtausend-Dollar-Vermächtnis, Das Tagebuch von Adam und Eva.

Nicht alles ist zum Schreien komisch, durchweg kann man aber Twains Technik der schamlosen Übertreibung und Zuspitzung beobachten. Meine Favoriten sind vor allem der Springfrosch, die Million-Pfund-Note, der Hadleyburg korrumpierende Mann und natürlich – das Tagebuch von Adam und Eva. Gerade beim Tagebuch habe ich mich sehr über Adams Nöte im Paradies amüsiert, nachdem ihm ein Wesen an die Seite gestellt wurde („Mein Leben ist nicht mehr so schön wie früher“, „Fühle mich hier eingeengt. Brauche Ortswechsel.“, „Ich wünschte, es [das neue Wesen] würde nicht reden. Es redet pausenlos.“, „Wenn sie anfängt zu erklären, hört sie nicht mehr auf.“)

Mein aktueller Sommertipp!

Arno Schmidt, Erzählungen

Mein Einstieg in die Welt Arno Schmidts erfolgte vor allem durch kleine Haffmans-Bücher und den Raben. Das erste größere Buch mit Schmidt-Texten, das ich erstand, war dieser hier. Er versammelt die Erzählungen Leviathan, Die Umsiedler, Brand’s Haide, Aus dem Leben eines Fauns, Schwarze Spiegel, Seelandschaft mit Pocahontas, Tina oder über die Unsterblichkeit, Caliban über Setebos, Kühe in Halbtrauer, Die Abenteuer der Sylvesternacht, Aus der Inselstraße, Kleiner Krieg. Es finden sich also neben dem Frühwerk echte Klassiker wie Pocahontas, aber auch einen Essay wie Kleiner Krieg. Daher ist es daher ein empfehlenswerter Einstieg, wenn man mehr vom Heidedichter erfahren möchte. Heute nutze ich allerdings eher andere Ausgaben, um dieselben Inhalte zu goutieren.

William H. Gass, Orden der Insekten

Ein Sammlung dreier ungewöhnlicher Erzählungen (Mrs. Mean, Orden der Insekten und Eiszapfen). Ich muss zu meiner Affenschande gestehen, dass ich mich heute – etwa 15 Jahre nach der Lektüre – nicht mehr besonders an die Erzählungen als solche zu erinnern weiß. Aber mir ist immer noch bewusst, dass die Texte irgendwie verstörend auf mich wirkten. Es muss in etwa so gewesen sein, als läse man Kafka nach dem Genuss der falschen Pilze. Wie nichtssagend diese heutige Kritik auch klingen mag, ich weiß, dass ich Gass bald wieder lesen werde. Da gilt es etwas aufzufrischen.

Nachtrag: Ich habe diesen Eintrag zum Anlass und das Buch erneut in die Hand genommen. Einerseits bin ich begeistert über die Wiederentdeckung, andererseits weiß ich jetzt auch wieder mehr mit der Erinnerung an die Verstörung umzugehen. Die drei Texte sind sich ähnlich und sehr verschieden voneinander zugleich. Einig ist allen eine erstaunliche Fähigkeit der Beschreibung, unterschiedlich sind die Themen und ihre Vermittlung. Beschreibt Mrs. Mean noch einen Menschen, der seine Nachbarn in immer stärkeren Maß beobachtet, obwohl oder gerade weil sie ihn anwidern, dreht sich beim Orden der Insekten alles um die Faszination, die vom Tod und von (toten) Insekten ausgeht. Die Eiszapfen bieten dagegen herrlichen Stream of Consciousness jemandes, der ob seines Lebens, seiner Fähigkeiten, seiner Situation quasi durchdreht. Alles in allem beachtlich. Einfach beachtlich.

Oscar Wilde, Dorian Gray, Märchen, Erzählungen, Essays

Mit einem Wort: Herrlich. Einfach nur herrlich. Wer den Gray nicht kennt, hat nichts gelesen, und so manches von Wildes Märchen sollte man eher kennen als den typischen Kanon aus dem Hause Grimm. Allein mit Wildes Essays, speziell mit seinen Literaturessays komme ich bis heute nicht klar. Sie sind mir zu verschossen, zu abgehoben und thematisieren oft Texte, die mich nicht interessieren.

Ludwig Tieck, Märchen und Erzählungen

Vom blonden Eckbert über den Runenberg bis zur Vogelscheuche ist in diesem Aufbau-Band vieles, aber natürlich nicht alles von Tieck versammelt. Die Vogelscheuche hatte ich lange Zeit gesucht, fand sie in der Lektüre für die Texte der Romantik zwar durchaus herausragend, aber nicht so gut, dass ich sie noch einmal lesen müsste. Irgendwie ist die Romantik nicht das Wahre für mich, wenn man mal von wenigen Ausnahmen absieht.

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