Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Friedrich Schiller

Friedrich Schiller, Don Carlos

Zu Schulzeiten war mir dieses Drama ein ziemliches Rätsel. Ich konnte überhaupt nichts mit irgendeinem Konflikt zwischen Spaniern und Niederländern anfangen. Klarer wurde es mir später im Nachhinein; ich glaube, das hing auch mit dem Verständnis von Dantons Tod zusammen. Und wenn man dann 15 Jahre später als Archäologe auch noch in Geldern in einem Brunnen der spanischen Besatzer herumgräbt – dann wird es richtig interessant, was man doch „irgendwann“ mal über diesen Vater-Sohn-Konflikt über Rebellion und Aufstand gelesen hat.

Friedrich Schiller, Kabale und Liebe

Und noch ne Reclam-Nummer. Wobei ich mit diesem Band etwas besonders Amüsantes verbinde. Gelesen habe ich das Drama nämlich auf dem Gymnasium. Damals hatten wir einen Deutschlehrer, dessen Unterricht ungelogen zu 90 % daraus bestand, dass er uns – vorgelesen hat. Und das war nicht etwa in der ersten Klasse, nein, das war in der 12. und 13. Stufe. (Bei dem Lehrer hab ich sogar meine Abiklausur geschrieben, übrigens über Homo Faber.) Sei’s drum. Schiller. Hm. Damals fand ich Schiller relativ doof. Heute, viele Jahre später bin ich von Jahr zu Jahr mehr davon überzeugt, dass er schreiben konnte. Und zwar besser als Goethe. (Siehe hier.)

Johann Wolfgang von Goethe, Faust I. Faust II

Wer sich nicht zum ersten Mal hierher verirrt, der weiß längst, dass ich Goethe deutlich kritischer sehe als die Mehrheit der Deutschen. Wobei ich auch mal behaupten möchte, dass die Mehrheit der Deutschen vermutlich nicht mehr als zwei, drei Sachen von ihm kennt – wenn überhaupt. Trotzdem möchte ich, um Befürchtungen zu widersprechen, ich läge in einer persönlichen Fehde mit dem Manne, gern einräumen, dass Goethe eine wichtige historische Gestalt, meinetwegen auch für unsere Sprache war. Nur eine gute Schreibe, die spreche ich ihm rundherum ab. Das gilt genauso für diesen furchtbar aufgeblähten und exaltierten Faust. Die beiden Dramen sind wie fünf übereinandergelegte Barockbilder. Sie sind so fritzelig ausgemalt, dass man nicht mehr erkennen kann, was auf den Bildern zu sehen ist (ganz besonders auf den unteren). Und das macht den Text – hier als Band 3 der Gesamtausgabe: Dramatische Dichtungen I – stinkeöde.

Früher zu Schulzeiten habe ich nie verstanden, was diese Dichotomie Schiller–Goethe sollte, die in der Darstellung ein wenig an den Kampf Beatles–Stones erinnerte. Spätestens nach der Lektüre des Faust weiß ich aber, dass Schiller der geschliffenere Schreiber war.

Cagliostro. Dokumente zu Aufklärung und Okkultismus

Eine von der Idee hochinteressante Textsammlung, in der Zeitgenossen des großen Giuseppe Balsamo von Geschichten und Begegnungen mit dem Hochstapler berichten. Darunter Texte von Goethe, Schiller und Konsorten. Leider, leider muss ich gestehen, dass trotz der spannenden Grundidee die meisten Texte eher müde sind, weshalb ich meiner trüben Erinnerung auch bestenfalls die Hälfte gelesen habe, bis ich mir ein Buch griff, das mehr Hochspannung versprach. Also sowas wie das Telefonbuch oder so. Wer weiß, vielleicht schaue ich eines Tages doch noch mal rein.

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