Wer sich nicht zum ersten Mal hierher verirrt, der weiß längst, dass ich Goethe deutlich kritischer sehe als die Mehrheit der Deutschen. Wobei ich auch mal behaupten möchte, dass die Mehrheit der Deutschen vermutlich nicht mehr als zwei, drei Sachen von ihm kennt – wenn überhaupt. Trotzdem möchte ich, um Befürchtungen zu widersprechen, ich läge in einer persönlichen Fehde mit dem Manne, gern einräumen, dass Goethe eine wichtige historische Gestalt, meinetwegen auch für unsere Sprache war. Nur eine gute Schreibe, die spreche ich ihm rundherum ab. Das gilt genauso für diesen furchtbar aufgeblähten und exaltierten Faust. Die beiden Dramen sind wie fünf übereinandergelegte Barockbilder. Sie sind so fritzelig ausgemalt, dass man nicht mehr erkennen kann, was auf den Bildern zu sehen ist (ganz besonders auf den unteren). Und das macht den Text – hier als Band 3 der Gesamtausgabe: Dramatische Dichtungen I – stinkeöde.

Früher zu Schulzeiten habe ich nie verstanden, was diese Dichotomie Schiller–Goethe sollte, die in der Darstellung ein wenig an den Kampf Beatles–Stones erinnerte. Spätestens nach der Lektüre des Faust weiß ich aber, dass Schiller der geschliffenere Schreiber war.