Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe, Faust I. Faust II

Wer sich nicht zum ersten Mal hierher verirrt, der weiß längst, dass ich Goethe deutlich kritischer sehe als die Mehrheit der Deutschen. Wobei ich auch mal behaupten möchte, dass die Mehrheit der Deutschen vermutlich nicht mehr als zwei, drei Sachen von ihm kennt – wenn überhaupt. Trotzdem möchte ich, um Befürchtungen zu widersprechen, ich läge in einer persönlichen Fehde mit dem Manne, gern einräumen, dass Goethe eine wichtige historische Gestalt, meinetwegen auch für unsere Sprache war. Nur eine gute Schreibe, die spreche ich ihm rundherum ab. Das gilt genauso für diesen furchtbar aufgeblähten und exaltierten Faust. Die beiden Dramen sind wie fünf übereinandergelegte Barockbilder. Sie sind so fritzelig ausgemalt, dass man nicht mehr erkennen kann, was auf den Bildern zu sehen ist (ganz besonders auf den unteren). Und das macht den Text – hier als Band 3 der Gesamtausgabe: Dramatische Dichtungen I – stinkeöde.

Früher zu Schulzeiten habe ich nie verstanden, was diese Dichotomie Schiller–Goethe sollte, die in der Darstellung ein wenig an den Kampf Beatles–Stones erinnerte. Spätestens nach der Lektüre des Faust weiß ich aber, dass Schiller der geschliffenere Schreiber war.

Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre

Wer mir noch einmal weismachen möchte, dass Goethe toll schreibt, dem empfehle ich zur Strafe die Lektüre des Wilhelm Meister (hier in Bd. 7 aus der  Gesamtausgabe: Romane und Novellen II). Wer danach noch nicht geheilt ist, dem ist nicht zu helfen. Und ich möchte betonen, dass ich einiges aus dem 18. Jahrhundert gelesen habe, um beurteilen zu können, dass der kitschig verklebte Meister auch zu seiner Zeit qualitativ nicht die Krone der literarischen Schöpfung war.

Hermann Hesse, Der Steppenwolf

Der alte Klassiker. Vermutlich bis heute DAS Buch für alle Teenager, meines Erachtens mehr noch als der Fänger im Roggen. Ich glaube, wenn man nachvollziehen möchte, wie Goethes Werther im 18. Jahrhundert eingeschlagen hat, braucht man nur Teenager über den Steppenwolf zu sprechen hören. Dieser „Das bin ich!“-Effekt dürfte bei wenigen Büchern höher sein.

Übrigens gibt es von Robert Crumb einen wunderbaren kurzen Text über die raffinierte Technik der Ich-Identifikation, auf der praktisch die gesamte Popkultur basiert. Ich schweife ab – nur um gleich wieder abzuschweifen: Ich hatte mich doch mal zu Büchern geäußert, die nur in bestimmten Altersstufen funktionieren. Ja, richtig geraten, dasselbe gilt für den Steppenwolf. Deshalb passt an dieser Stelle wunderbar eine Anmerkung von Reich-Ranicki. Der sagte nämlich einmal, er habe den Steppenwolf dreimal gelesen: einmal als Jugendlicher, da war er entzückt. Einmal nach dem zweiten Weltkrieg, da war er enttäuscht. Und einmal Jahre später im Rahmen einer Untersuchung – da war er entsetzt.

Wolfgang Goethe, Die Leiden des jungen Werther

Okay, okay,okay. Auch Klassiker wollen gelesen werden. Da darf der Werther natürlich nicht fehlen. Ja, ich habe ihn gelesen. Aber das ist zum Glück schon bald 20 Jahre her. Und ich muss sagen, zum Glück ist es so lange her. Denn der Werther – und da bin ich mir sehr sicher – macht eigentlich nur Spaß, wenn man Anfang 20 ist. In späterem Alter gelesen ist der Text abgeschmackt und lächerlich. Wichtig bleibt er dennoch für die europäische Kulturgeschichte. Allein der Effekt, der in der Verfilmung „Goethe“ am Ende angesprochen wird, dass alle möglichen Jünglinge wie Werther in blauer Jacke und gelber Weste herumlaufen, zieht sich noch lange durch die Literatur. Man beachte beispielsweise Hamsuns Mysterien. Und für diese Leistung ziehe ich vor Goethe den Hut. Chapeau!

Cagliostro. Dokumente zu Aufklärung und Okkultismus

Eine von der Idee hochinteressante Textsammlung, in der Zeitgenossen des großen Giuseppe Balsamo von Geschichten und Begegnungen mit dem Hochstapler berichten. Darunter Texte von Goethe, Schiller und Konsorten. Leider, leider muss ich gestehen, dass trotz der spannenden Grundidee die meisten Texte eher müde sind, weshalb ich meiner trüben Erinnerung auch bestenfalls die Hälfte gelesen habe, bis ich mir ein Buch griff, das mehr Hochspannung versprach. Also sowas wie das Telefonbuch oder so. Wer weiß, vielleicht schaue ich eines Tages doch noch mal rein.

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