Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Halldór Laxness

Njals Saga

Die Njáls Saga oder kurz Njála gehört mit der Laxdoela Saga und der Egils-Saga zu den wichtigsten Texten Islands. Die Njáls Saga erzählt die Geschichte des weisen Njál, der mit seiner Familie in eine blutige Fehde gerät, in deren Verlauf er schließlich in seinem Haus verbrannt wird. Abgesehen davon, dass die Reste des Hofs noch heute in der südisländischen Landschaft begutachtet werden können (ein flacher Wiesenhügel), sind auch die Figuren aus der Saga wichtige Figuren im isländischen Selbstverständnis. Nicht umsonst bezieht sich die Hauptfigur in Halldor Laxness’ Islandglocke auf Njals Opponenten Gunnar von Hlíðarendi als Vorfahr (auch die Lage dieses Hofs ist überliefert).

Wer ein wenig darüber erfahren möchte, woher der Charakter dieses ungewöhnlichen Volks kommt, sollte die Njála daher definitiv einmal gelesen haben. Ach so, nur nebenbei: Ich habe die Njals Saga komplett nur in der Penguin-Ausgabe gelesen.

Halldór Laxness, Die Litanei von den Gottesgaben

Von den Büchern, die ich von Laxness besitze, ist es auf jeden Fall das schwächste. Es geht in der Litanei um den Hering bzw. das Ausbleiben des Herings und den damit verbundenen Folgen. Eigentlich gibt es für mich vor allem eine Verbindung zum Inhalt, und das ist der Ort Djúpavík in den Westfjorden, in dem ein Teil der Geschichte spielt und den ich vor 15 Jahren mal besucht habe. Aus heutiger Sicht ist es ein gespenstischer Ort. Im Fjord liegen rostende Schiffe, an der Küste stehen die Häuser leer – bis auf ein Gasthaus mit ein paar Zimmern und einer Tankstelle mit einer Zapfsäule, an der man klingeln muss, damit der Tankwart aus dem Gasthaus kommt. Als ich damals dort war, war gerade ein Kaffee-und-Kuchen-Sonntag im Gasthaus, besucht von busseweise angereisten Rentnern und untermalt mit pietistischer Musik aus dem Radio. Sehr skurril jedenfalls. Aber zurück zum Buch: Wer von Laxness noch nichts kennt, soll lieber mit etwas anderem anfangen.

Halldór Laxness, Sein eigener Herr

Der Roman ist irgendwie eine Antwort auf Hamsuns Segen der Erde. Doch während Hamsuns Held trotz aller Mühen und Widerständen das gelingt, was er versucht, ist Laxness’ Protagonist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Trotzdem hält er an seinem Traum – Autarkie – fest und treibt sie sogar noch auf die Spitze.

Auf jeden Fall lesenswert, nicht nur im Kontrast zu Hamsun.

Halldór Laxness, Der große Weber von Kaschmir

Ein Roman wie ein Donnerschlag, mit dem Laxness sich früh in den Olymp der großen Literatur schreiben konnte. Es ist gewiss spannend zu entdecken, aber bleibt doch hinter seinen anderen Texten zurück. Es ist zwar gut, aber eben dann doch „lediglich“ ein Frühwerk.

Halldór Laxness, Atomstation

Eins der Hauptwerke von Laxness. Es behandelt die Stellung Islands im Kalten Krieg. Aufgrund der geostrategischen Lage war es sehr interessant für beide Blöcke. Da die Isländer sich aber bereits während des Zweiten Weltkriegs die USA zur Schutzmacht auserkoren haben, war die Wahl natürlich auch später nicht schwer. Übrigens etwas, was man auch heute noch sehr gut erkennen kann, weil der isländische Way of Life auffallend arg nach Westen ausgerichtet ist.

Der Roman ist fraglos gut, wenn ich ihn auch nicht so gelungen finde wie die Islandglocke.

Halldór Laxness, Die Islandglocke

Der Klassiker von Laxness. Wer sich für Island interessiert, sollte diesen Roman unbedingt lesen. Es geht um die Selbstfindung einer Nation, die fast ein Jahrtausend lang besetzt war – erst von Norwegen, später von Dänemark. Die Selbstfindung setzt da an, wo man sie bei Isländern auch vermutet: in ihrer eigenen Literatur. Deshalb handelt der Text auch in der Art eines historischen Romans von der Wiederentdeckung und Sammlung der alten Saga-Texte im 18. Jahrhundert, er handelt davon, wie Europa damals aus der Sicht Islands wirkte. Es ist ein wunderbarer Text, den ich jedem ans Herz lege, der mal bei diesem berechtigten Nobelpreisträger reinschnuppern möchte.

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