Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Héctor Oesterheld

Héctor Germán Oesterheld, Alberto Breccia, Eternauta 1969

Der Osterhase war mir gnädig und hat meine noch sehr bescheidene Oesterheld-/Breccia-Sammlung um einen Band erweitert.
Es handelt sich um die spätere Version Oesterhelds Story um einen Zeitreisenden, diesmal kontrastreich von Breccia verbildlicht.

Obwohl ich diese Geschichte schon länger auf meiner etwas diffusen Wunschliste führte, stellte ich erst beim Lesen fest, wie aktuell der Band zurzeit ist: Nach einer brutalen Attacke durch Außerirdische sind die Länder Lateinamerikas vergiftet. Überlebt hat nur, wer zufällig Türen und Fenster geschlossen hatte und geschlossen hält. Die Überlebenden sind daher, solange sie keine Anzüge gebastelt haben, mit denen sie ihre Häuser verlassen können, auf sich allein gestellt und dürfen ihr Zuhause nicht verlassen – stay home im Quadrat.

Natürlich verharrt Oesterhelds Geschichte nicht dabei, sondern bietet den Protagonisten eine Möglichkeit, doch noch herauszukommen und Widerstand zu leisten.

In dieser 1969er-Version ist dieser letzte Teil leider recht verkürzt, weil der Herausgeber es sich anders überlegt hatte und Oesterheld zumindest retten konnte, dass die Geschichte einen Schluss bekommt. Hier überschneidet sich daher die echte politische Entwicklung Argentiniens bereits mit der Eternauta-Geschichte und ihrer auf einer Metaebene stattfindenden Kritik.

Auf jeden Fall eine Lektüre wert und sie macht zugleich Vorfreude, auch die Originalfassung aus den 50ern mit den Zeichnungen von Francisco Solano López zu lesen.

Hugo Pratt, Héctor Germán Oesterheld, Ticonderoga

Es gibt Leute, die betrachten mich wenig differenziert als Comicleser, ohne zu verstehen, worauf es mir bei einem Comic ankommt.

Dabei kann das so vieles sein: eine gut recherchierte und spannend erzählte Geschichte (z.B. Maus), amüsante Unterhaltung (z.B. Gilbert Shelton) oder einfach reizvolle Abenteuer, wie Hugo Pratt sie erzählte.

Lange vor dem bekannten Corto Maltese hatte Pratt gemeinsam mit Oesterheld die Figur Ticonderoga aus dem Universum James Fenimore Coopers erstehen lassen.
In dieser hübschen Ausgabe kann man die Abenteuer der jungen (und älteren) Helden in beeindruckenden Bildern bewundern.

Nebenbei: Amazon-Bewertungen, die sich über den Formatwechsel des Zweibänders beschweren, kann man getrost ignorieren – so wie sie selbst die Entstehungsgeschichte des Comics und die damit verbundenen Erfordernisse ignorieren.

Alberto Breccia, Enrique Breccia, Héctor Oesterheld, Che

Zeichner Alberto Breccia, sein Sohn Enrique und der Texter Héctor Germán Oesterheld haben mit diesem Comic (kann man es überhaupt wirklich Comic nennen?) in meist eher düsteren Bildern Ausschnitte aus dem Leben des argentischen Revolutionärs.

Man mag sich ja über das Spannungsfeld zwischen seinem Wollen und Wirken streiten, die Tatsache, dass er als Identifikationsfigur für Millionen von Menschen wirkt(e), macht ihn aber zu mehr als eine simple Warhol-Ikone.

Dementsprechend halte ich es für wichtig, sich mit ihm und seinen Taten auseinanderzusetzen, und sei es in popkulturelleller Annäherung. Die Arbeiten der Breccias und von Héctor Oesterheld sind hier ein wertvoller Puzzlestein, den ich gern empfehle.

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