Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Vladimir Nabokov

Vladimir Nabokov, Pnin

Obwohl hier kaum eine Geschichte erzählt wird, sondern mehr eine Figur, möchte ich es doch als mein zweitliebstes Buch von Nabokov bezeichnen (nach Lolita). Es geht um den Professor Pnin, der als Ausländer an einer amerikanischen Universität unterrichtet und dessen größtes Ziel es ist, endlich eine unkündbare Anstellung zu bekommen. Nabokov geht sehr brutal mit seiner Figur um, er hackt auf sie ein, wo es nur geht, und kennt keine Gnade. Fast müsste man Mitleid mit Pnin haben, aber selbst dazu ist er zu unsympathisch, weil äußerst lächerlich dargestellt. Gut, im Ganzen ist es kein großes Buch, aber trotzdem eine angenehm nette Lektüre.

Vladimir Nabokov, Gelächter im Dunkel

Von allen Nabokov-Texten ist das hier derjenige, der am wenigsten Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das mag daran liegen, dass es noch ein recht frühes Werk war, das er auf Russisch verfasst hatte. Mehr brauche ich kaum darüber zu verlieren.

Vladimir Nabokov, Ada oder das Verlangen

Ich weiß gar nicht recht, wo ich bei dem Buch anfangen soll. Entdeckt hatte ich es ja kurz vor meinem letzten Geburtstag bei Zweitausendeins. Und da ich noch etwas anderes „brauchte“, legte ich es gleich mit in den Warenkorb. Hier lag es dann fast ein halbes Jahr, weil mir dauernd andere Bücher in die Quere kamen. Monatelang freute ich mich auf den Nabokov und neulich war es dann so weit: Ich packte mir das wirklich sehr hübsch gestaltete Buch in die Tasche, um mich bei der Pendelei angenehm unterhalten zu lassen. Doch schon nach wenigen Seiten begann das Erstaunen.

Kein Witz: Bevor ich die ersten 40 Seiten zu Ende gelesen habe, hatte ich dreimal auf dem Umschlag kontrolliert, ob das Buch auch wirklich von DEM Vladimir N. ist und nicht von irgendeinem Halbbruder oder entfernten Cousin verfasst wurde.

Ja, schon der Anfang von Ada tut weh. Es ist ein krauses Feld an Schwurbeleien, bei dessen Lektüre man das Fragezeichen überm Kopf problemlos beim Wachsen beobachten kann.

Dann irgendwann kam der Bruch. Es begann, eine erzähltechnisch halbwegs normale Geschichte zu werden. Gut, ich wunderte mich über vereinzelte Anachronismen, bis ich merkte, dass sie kein Fehler Nabokovs waren, sondern dass das, was ich hier las, in einer Art Parallelwelt spielen sollte. Diese Parallelwelt entwickelt sich technisch etwas anders, auch politisch und in Bezug auf Landesgrenzen.

Nabokov hat das Buch 1969 geschrieben, daher kam es mir an vielen Stellen so vor, als sei es ein Gedankenspiel, wie sich Russland und die russische Kultur im Verhältnis zu anderen Ländern entwickelt hätten, wenn es keine Revolution gegeben hätte.

Denn in der Hauptsache geht es um die Geschichte von Ada und Van. Die Eltern von beiden sind über Kreuz miteinander verheiratete Zwillinge, und obwohl Ada und Van bereits als Teenager herausfinden, dass sie gar nicht Cousin und Cousine, sondern mindestens Halbgeschwister, wenn nicht richtige Geschwister sind, entwickelt sich zwischen beiden eine Beziehung. Und wer jetzt „Inzest!“ denkt, liegt nicht falsch. Denn anders als bei Nabokovs Lolita, das im Volksmund unberechtigterweise für Schweinkram berühmt ist, dreht er in Ada das große Rad.

Dabei gibt es eigentlich nicht viel Sex, das Meiste spielt sich in oder hinter Gebüschen ab und wird eher verblümt angedeutet. Aber es ist doch durchgehend klar, was die beiden miteinander treiben.

Insgesamt erzählt das Buch mehr oder weniger die Lebensgeschichte Vans, etwa in der Art eines psychologischen Berichts. Der Text ist gespickt mit Anleihen aus der französischen und russischen Literatur. Überhaupt gibt es zahlreiche Sprachspiele und Wortwitzeleien auf Russisch, Französisch, Englisch, die zwar weitgehend im Anmerkungsapparat kurz erklärt sind, aber für meinen Geschmack unangenehm blass bleiben. Was bei Joyce oder Schmidt noch Spaß macht, ist bei Nabokovs Ada einfach aufgesetzt und stellenweise gezwungen. Trotzdem, und gerade deswegen habe ich das oft quälende Buch zu Ende gelesen, gibt es immer wieder ein Bündel Seiten, die viele nachdenkenswerte Überlegungen und philosophische Betrachtungen, beispielsweise zur Zeit beinhalten. Und dann kommen wieder Seiten, bei deren Lektüre man eigentlich vor Schmerz nur laut schreien möchte.

Ich weiß nicht genau zu sagen, woran diese Wechsel liegt. Mein erster Verdacht war, dass es daran liegt, dass der Text von zwei Übersetzern übertragen wurde. Wenn ich die Lektüre nicht so furchtbar quälend gefunden hätte, würde ich vielleicht ins Original schauen. Aber ehrlich: Meine Zeit ist mir zu schade, nur um das zu prüfen.

Vladimir Nabokov, Die Venezianerin

Nach Lolita habe ich immer wieder auf Flohmärkten und Antiquariaten Ausschau nach Nabokov gehalten. Irgendwann purzelte mir dieses schmale Bändchen in die Finger, in dem es um eine große Liebe, einen talentierten Maler und allerlei Nickeligkeiten geht. Gut, es ist kein Meisterwerk, ich weiß auch von Leuten, die es eher öde fanden und den zugrundeliegenden Clou sehr schnell erkannten. Aber ich muss gestehen, dass mir die Lektüre dennoch Freude bereitet hat.

Vladimir Nabokov, Lolita

Ich glaube, ich habe mich ca. 15 Jahre lang gesträubt, dieses Buch zu lesen, weil ich lange auf die falsche Verquickung zwischen dem Buch und der Pädophilie hereingefallen bin. Ein Schulfreund empfahl es trotzdem, amüsierte sich vor allem über die Art, wie die Amerikaner im Text der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Irgendwann sah ich dann die Kubrickverfilmung und war kurzerhand begeistert. Erschien es mir zuvor noch albern, dass ausgerechnet James Mason den Kerl gibt, der kleine Mädchen verführt, musste ich beim Betrachten des Films einsehen, dass Kubrick hier perfekt besetzt hat. Und mir wurde klar: Ich brauche dieses Buch.

Es dauerte nicht besonders lang, da stolperte ich in Neumünster auf einem Flohmarkt darüber und erwarb es sogleich. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, ich begann es auch sehr bald zu lesen. Und amüsierte mich königlich. Mit Humbert Humbert und Lolita sind Nabokov zwei Figuren gelungen, die sich einfach verdient haben. Als Lektüre unbedingt zu empfehlen!

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