Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Mein Vater (28)

Mein Vater hatte ein Auto. Bevor er den grünen Audi 80 von den Nachbarn des Ferienhauses kaufte, hatte er einen Opel Rekord C. Wir hatten eine farbige Version, mein Opa väterlicherseits hatte den gleichen Wagen in Schwarz. Im Wagen meines Opas wurde merkwürdigerweise mir schlecht beim Fahren, meiner Schwester wurde dagegen im Rekord meines Vaters schlecht. Einmal ließ mein Vater den Wagen umlackieren. Er hatte sich eine unübliche Farbe ausgesucht. Als der Wagen in der Lackiererei war, alberte er herum und warnte meine Mutter und uns Kinder davor, die Fenster geöffnet zu lassen, weil die Leute dann sicher ihre Briefe einwürfen. Ja, bestätigte er auf Nachfrage, die Farbe sei Postgelb. In Wirklichkeit war es ein etwas dunklerer Farbton. Ich erinnre mich noch dunkel, wie er den Wagen verkaufte, als der Audi kam. Der Wagen stand auf unserem Hof vor unserer Garage. Die Schnauze nach unten gerichtet, weil der Hof wegen der Kegelbahn darunter eine ausgewachsene Delle besaß. Zwei junge Männer kamen, eher schlaksig und mit mittellangen Haaren. Sie liefen wichtigtuerisch um das Fahrzeug herum, schauten unter die Motorhaube, nach dem Auspuff, in den Kofferraum. Sie lehnten sich steifarmig mit dem ganzen Oberkörper federnd auf den Kühler und den Kofferraum, um die Stoßdämpfer zu prüfen. Schließlich wurden sie mit meinem Vater handelseinig.

An Fahrten mit meinem Vater habe ich nur wenige Erinnerungen. Sie waren zu gleich. Ich saß hinter ihm, meine Schwester hinter unserer Mutter. Hin und wieder gab es Zoff zwischen meiner Schwester und mir, dann wurde mein Vater ernst. Bisweilen versuchte er mit der rechten Hand um den Sitz zu gelangen und einem von uns einen Klaps auf die Beine zu verpassen. Das versuchte er auch, wenn ich ihm von hinten in die Rückenlehne trat, weil ich – warum auch immer – wegen irgendwas sauer war. Wir hatten im Auto damals oft eine Tüte dabei für wenn es einem von uns schlecht ging. Wir Kinder lernten uns anschnallen, und zwar sobald wir uns ins Auto setzten. Noch heute schnalle ich mich im Auto reflexartig an, selbst wenn ich nur auf einem Parkplatz stehe und der Motor nicht läuft.

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  1. Schrecke

    Das war wohl ein nachhaltiger Fauxpas.
    … wollte ich bei „Meine Mutter (10)“ antworten … aber dort ließ mich das der Server nicht

    • Hm, ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung habe, was der Server da wieder muckt. Umgestellt habe ich jedenfalls nichts, ich komme ja leider zurzeit nicht mal mehr zum Abtippen. – Klappt das Kommentieren denn bei anderen Postings?

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