Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Mein Vater, meine Mutter

Das war es nun vorläufig mit dem Vaterprojekt. Nicht auszuschließen, dass mir doch noch das ein oder andere einfällt, das dann im Rahmen einer Sortierung und Zusammenstellung womöglich in Form eines E-Books mit einfließen wird (ja, ich weiß, den Scherbenhaufen hab ich auch vor Ewigkeiten angekündigt; es ist nur einfach ein ganz massives Zeitproblem).

Es kamen Fragen auf. Selten hier im Blog, häufiger in persönlichen Gesprächen mit Lesern. Eine der Fragen war, warum meine Mutter hier so eine geringe Rolle spielt, sie hätte meine Schwester und mich doch immerhin nach dem Tod unseres Vaters versorgt und aufgezogen. Mir schien, die Antworten auf diese Frage läge auf der Hand, daher hatte ich sie hier gar nicht erst angesprochen.

Erstens stört man sich vor allem an dem, was fehlt – man beachtet weniger, was „sowieso“ da ist. Das gilt nicht nur für liebe Menschen um einen herum, sondern genauso für gute Laune oder wirtschaftliche Mittel: Solange ich sie habe, ist es nichts Besonderes. Erst wenn sie fehlen, spüre ich das Manko. Das mag eine doofe menschliche Eigenschaft sein, aber es ist eben eine menschliche Eigenschaft, von der auch ich mich nicht freimachen kann.
Der offensichtlichere Grund für die Gewichtung war zudem das Thema an sich: Dass in einem Text über meinen Vater der Fokus auf ihm liegt, finde ich wenig überraschend. Ich hab in diesem Rahmen schließlich auch keine einzige Zeile über meine Wellensittiche verloren.
Trotz allem nehme ich die Kritik an. Seit einigen Wochen überlege ich, analog meine bisherigen Erinnerungen an meine Mutter zu sammeln, zu bündeln, niederzuschreiben und ebenfalls hier zu posten.
Immerhin ist das Projekt jetzt schon gedanklich so weit gediehen, dass ein anderes Projekt, das bereits in den Startstiegen hockte, vorläufig auf Eis gelegt ist (es benötigte ohnehin deutlich mehr Zeit).
Ja ich frage mich zudem, inwieweit sich das nicht ebenfalls für meine Großeltern lohnen könnte, wobei viele meiner Erinnerungen an sie eng mit Erinnerungen an meine Eltern verbunden sind. Sie könnten daher ebensogut in deren Texte eingebunden werden.

Das Projekt wird Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, von der ich viel zu wenig habe. Seit einigen Wochen komme ich praktisch schon nicht mehr dazu, Bücher zu lesen (ich kämpfe mich in Zeitlupe durch den furchtbaren Wallenstein Golo Manns und genieße zur Abwechslung bestenfalls ein paar Aphorismen von Kraus). Extra „Zeitverlust“ erzeugt vor allem ein lang gehegter Traum, den ich in endlich die Wirklichkeit umsetze, da ich tatsächlich Russischunterricht nehme.
Aus all diesen Gründen kann es sein, dass es hier in nächster Zeit etwas ruhiger wird. Aber ich werde nicht verschwinden, sondern wiederkommen und auch versuchen, mich zwischendurch zu melden. Versprochen. Wer in dieser Zeit nichts verpassen möchte, dem empfehle ich die Abofunktion unten rechts.

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Plopp! Oder: Warum es euch geben kann

  1. Wenn du das Mutterprojekt machen möchtest, dann ist es allein deine Entscheidung und du solltest dich nicht gedrängt fühlen. Wenn ein Text „Mein Vater“ heißt, dann erwarte ich persönlich nicht, dass die Mutter eine große Rolle spielt. Sonst hieße es „Meine Eltern“ oder „Mein Vater und meine Mutter“. Deine Mutter hat offensichtlich auch noch die Möglichkeit, sich selbst zu äußern, während du hinsichtlich deines Vaters nur von Erinnerungen zehrst. Da ist es besser, diese schnell aufzuschreiben… wir wissen doch alle, was sonst mit Erinnerungen passiert.

    • Das Komische ist, dass ich mich eigentlich nicht gedrängt fühle. Im Gegenteil: Nachdem das Vaterprojekt abgeschlossen ist, fühle ich eher die Freiheit, mich jetzt auch mit anderen Aspekten meines Lebens so intensiv beschäftigen zu können, die mich ausmachen. Ich habe endlich ein Kapitel abschließen können, das damit natürlich nicht verschwunden ist, an dem ich aber weniger knabbere, weil ich jetzt unaufgeregt darauf zurückblicken kann.
      Übrigens hab ich gestern mit den ersten Teilen des Mutterprojekts begonnen; gut möglich, dass ich bald schon hier beginnen werde. Es sieht bisher nach einem stürmischen Start aus. 😉

  2. Wenn du das Mutterprojekt machen möchtest, dann ist es allein deine Entscheidung und du solltest dich nicht gedrängt fühlen. Wenn ein Text „Mein Vater“ heißt, dann erwarte ich persönlich nicht, dass die Mutter eine große Rolle spielt. Sonst hieße es „Meine Eltern“ oder „Mein Vater und meine Mutter“. Deine Mutter hat offensichtlich auch noch die Möglichkeit, sich selbst zu äußern, während du hinsichtlich deines Vaters nur von Erinnerungen zehrst. Da ist es besser, diese schnell aufzuschreiben… wir wissen doch alle, was sonst mit Erinnerungen passiert.

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