Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Kategorie: 2019 gelesen

Stephen Crane, Das offene Boot und andere Erzählungen

Als ich die schön gestalteten mare-Bändchen im letzten Jahr zum ersten Mal entdeckt hatte, hatte ich mich sehr gefreut. Als jemand, der gern Geschichten rund um die Seefahrt konsumiert, war es ein interessantes Konzept für mich. Als Leser, der gern Neues entdeckt, erst recht.

Auf diese Weise bin ich an Crane geraten. Klappentext und Nachwort klingen sehr verheißungsvoll und berichten von einem Frühvollendeten, der u.a. Hemingway Wegweiser gewesen sei. Was, so dachte ich, will ich da mehr? Und freute mich schon im Voraus sehr auf die Lektüre.

Leider, und da will ich gar nicht lange um den Brei herumreden, umsonst.

Wenn man etwas in Übersetzung liest, weiß man freilich nicht immer ganz genau, wie es im Original lautet. In vorliegenden Fall kann man aber ausschließen, dass der Übersetzer der Übeltäter ist.

Crane hatte zwar in der Tat vor allem mit einem Schiffbruch in der Karibik und dem Versuch, in einem kleinen Boot zu überleben, einiges erlebt. Dieses Erleben hat er sogar mindestens zweimal ausführlich geschildert. Aber dieses Erleben allein macht noch keinen guten Autor. Sein Stil ist ein seltsamer Mix aus dümmlichen Wiederholungen, wirklich nervigen Übertreibungen (und anders als die Beatniks und Gonzo-Autoren Jahrzehnte später vergisst Crane das zugehörige Augenzwinkern) und dümmlichen Wiederholungen. Die dümmlichen Wiederholungen sollte man übrigens nicht oft genug ansprechen.

Kurz: Crane war eine ziemliche Enttäuschung und somit ein echter Fehlkauf.

Michael Bordt, Die Kunst sich selbst auszuhalten. Ein Weg zur inneren Freiheit

Man mag über die Jesuiten denken, was man möchte (und ich finde ihren Ordensansatz mit absolutem Gehorsam bis hin zur Lüge gelinde gesagt: kritisch). Mit diesem kleinen Büchlein hat Michael Bordt aber einen interessanten Ansatz geliefert.

Er scheint mir vergleichbar mit der Idee Eckhart Tolles, die ich persönlich im Alltag leider nicht umsetzbar fand. Tolle empfiehlt, sich die ganze Zeit selbst zu beobachten, räumt gleichwohl ein, dass das nicht einfach ist.

Bordt verkürzt diesen Schritt, indem er empfiehlt, diese Beobachtung auf die Zeiten zu beschränken, in denen man von extremen Gefühlen angetrieben wird. Hier könne man sich dann gezielt fragen, was das überhaupt für Gefühle sind, woher sie kommen und warum man sie (jetzt) hat. Auch das ist nicht immer einfach, aber deutlich einfacher als die dauernde Selbstbeobachtung.

Wie dauerhaft hilfreich Bordts Ansatz dabei ist, mit sich selbst zufriedener zu werden und andere so zu lassen, wie sie sind, steht allerdings noch auf dem Prüfstein.

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