Klappentexte sind ja immer so eine Sache. Entweder sind sie total bescheuert am Thema vorbei – oder sie treffen den Apfel in den Kern.

Bei Lutes’ Berlin fand ich es sehr amüsant, dass ich nach den ersten Seiten zu meiner Freundin gesagt habe: wie Döblin als Comic. Anschließend hab ich ausschweifend versucht, ihr von Döblins grandiosem 1918 zu erzählen (was leider auf wenig Interesse gestoßen ist). Dabei gehört 1918 fraglos zu der Handvoll Bücher, die bei mir auch Jahre nach der einmaligen Lektüre noch äußerst intensiv nachwirken.

Erst Tage später fiel mir auf der Rückseite auf, dass Denis Scheck die gleiche Analogie gezogen hat.

Zurück zu Lutes. Warum auch immer ist mir diese Graphic Novel tatsächlich erst nach Vollendung über den Weg gelaufen, als sie als dicker Einbänder erschien. Das ist so unpraktisch nicht, denn so erhielt ich mit einem Schlag die gesamte Geschichte und brauchte während der Lektüre nicht zu warten. Das fantastische Werk erzählt in einem wunderbaren Panoramagemälde vom Berlin in den letzten Jahren vor der Machtergreifung der Faschisten. Hierzu greift Lutes auf zig Charaktere aus verschiedensten Schichten zurück und bindet viele historische Details ein.

Nicht nur für den Döblin-Fan äußerst zu empfehlen, sondern auch für Leser, die gute Graphic Novels zu schätzen wissen!