Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: lesen Bücher

Jason Lutes, Berlin

Klappentexte sind ja immer so eine Sache. Entweder sind sie total bescheuert am Thema vorbei – oder sie treffen den Apfel in den Kern.

Bei Lutes’ Berlin fand ich es sehr amüsant, dass ich nach den ersten Seiten zu meiner Freundin gesagt habe: wie Döblin als Comic. Anschließend hab ich ausschweifend versucht, ihr von Döblins grandiosem 1918 zu erzählen (was leider auf wenig Interesse gestoßen ist). Dabei gehört 1918 fraglos zu der Handvoll Bücher, die bei mir auch Jahre nach der einmaligen Lektüre noch äußerst intensiv nachwirken.

Erst Tage später fiel mir auf der Rückseite auf, dass Denis Scheck die gleiche Analogie gezogen hat.

Zurück zu Lutes. Warum auch immer ist mir diese Graphic Novel tatsächlich erst nach Vollendung über den Weg gelaufen, als sie als dicker Einbänder erschien. Das ist so unpraktisch nicht, denn so erhielt ich mit einem Schlag die gesamte Geschichte und brauchte während der Lektüre nicht zu warten. Das fantastische Werk erzählt in einem wunderbaren Panoramagemälde vom Berlin in den letzten Jahren vor der Machtergreifung der Faschisten. Hierzu greift Lutes auf zig Charaktere aus verschiedensten Schichten zurück und bindet viele historische Details ein.

Nicht nur für den Döblin-Fan äußerst zu empfehlen, sondern auch für Leser, die gute Graphic Novels zu schätzen wissen!

Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre

Wer mir noch einmal weismachen möchte, dass Goethe toll schreibt, dem empfehle ich zur Strafe die Lektüre des Wilhelm Meister (hier in Bd. 7 aus der  Gesamtausgabe: Romane und Novellen II). Wer danach noch nicht geheilt ist, dem ist nicht zu helfen. Und ich möchte betonen, dass ich einiges aus dem 18. Jahrhundert gelesen habe, um beurteilen zu können, dass der kitschig verklebte Meister auch zu seiner Zeit qualitativ nicht die Krone der literarischen Schöpfung war.

Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten. Bargfelder Ausgabe IV.2

Die Schule der Atheisten war das erste Großbuch, das ich von Schmidt in die Finger bekam und las. Das Lesen war nicht immer bequem (schon wegen des Formats), die Wort- und Satzsprünge damals nicht immer leicht nachzuvollziehen, dennoch weiß ich noch, dass ich die Lektüre als solche durchaus amüsant fand.

Heute in der Rückschau bin ich  überrascht, wie wenig bleibenden Eindruck der Text bei mir hinterlassen hat. Die Hauptachsen habe ich zwar immer noch im Kopf, besonders herausragende Szenen haben sich allerdings kaum in mein Gedächtnis gebrannt. Da kommen andere Texte von Schmidt – ganz besonders KAFF – deutlich besser weg, anders kann ich es nicht sagen. Nur der Vollständigkeit halber: Der Titel spielt natürlich mit Jules Vernes Schule der Robinsons.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén