Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: aa

Hans Christian Andersen, Märchen in drei Bänden

Hey, H.C. Andersen! Den kennt doch jeder! Das hässliche kleine Entlein, die Prinzessin auf der Erbse, das Mädchen mit den Streichhölzern, des Kaisers neuen Kleider, die roten Schuhe, nicht zu vergessen die kleine Meerjungfrau! Was kann da schon beim Lesen schiefgehen?

Hab ich jedenfalls gedacht, ich ich vor Jahren den Insel-Taschenbuch-Dreibänder erstanden hatte. Den ersten Band hatte ich noch recht flott verschlungen. Beim zweiten brauchte ich schon länger und im dritten Band wurde dermaßen der Rest gesammelt, dass ich ihn nur unterbrochen durch zwei längere Pausen ertragen konnte. Und bei der Lektüre der letzten hundert Seiten war ich wirklich sehr genervt von dieser Sprache, diesem „Stil“ und diesen Themen.

Wer lediglich die bekanntesten Andersen-Märchen kennt, weiß es sicherlich nicht, aber die Mehrheit seiner Texte sind von einem derart pietistisch-schwülstigen, ja um nicht zu sagen: animistisch-tuntigen Ton erfüllt, dass man echt die Hirnkrätze bekommt. Schlimmer sogar: Kommen Kinder in den Texten vor, ist ihre Beschreibung fast durchweg mit einem klebrigen Lack überzogen, dass man ihn aus heutiger Sicht nicht anders als pädophil angehaucht bezeichnen kann.

Aber zum Abschluss möchte ich doch noch auf eine positive Überraschung hinweisen, auf das Märchen vom kleinen und vom großen Klaus. Es sticht nicht nur durch seine Brutalität aund ihre ungewöhnlich neutrale Schilderung aus den Andersen-Texten hervor, sondern beinhaltet einen Witz, den ich in fast allen anderen Andersen-Texten schmerzlich vermisse. Zumindest dafür hat sich die Lektüre also gelohnt – aber dazu hätte ich keine drei Bände benötigt.

Franz Altheim, Römische Religionsgeschichte

Dieser kleine Doppelband aus der Sammlung Göschen war ein Zwangskauf für das erste Seminar, das ich bei meinem späteren Doktorvater belegt hatte. (So gesehen hier mal die Ausnahme von der Regel, Fachbücher außen vor zu lassen.)

Thema des Seminars waren Kulte und Kultplätze. Das Seminar war für mich eine echte Überraschung. Ich bekam viel mehr geboten, als ich vorher auch nur ansatzweise geahnt hatte. Und dazu gehörte auch diese Religionsgeschichte. Ich meine zwar, dass ich sie nicht ganz gelesen habe, aber manche Details z.B. über die Entstehung der Gladiatorenkämpfe aus Menschenopfern bei Bestattungen waren schon recht interessant.

Johann August Apel, Friedrich Laun, Gespensterbuch

Heute spreche ich einen deutschen Klassiker an, der erstaunlich unbekannt ist. Ich hatte mich ja bereits an anderer Stelle darüber ausgelassen, was ich von Geistergeschichten halte. Das Gespensterbuch von Apel und Laun (eigentlich Schulze) hat andere Autoren und Komponisten bewegt. Leider besitze ich lediglich eine gekürzte Ausgabe mit folgenden Erzählungen: Der Freischütz, Der Geist des Verstorbenen, Die Bilder der Ahnen, Der Totenkopf, König Pfau, Die Totenbraut, Die graue Stube, Die schwarze Kammer, Der Totentanz.

Wer es bisher nicht wusste, wird spätestens nach der Nennung der Titel etwas ahnen: Richtig, Apel und Laun legten schon mal die Grundlage für die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Und weil es so schön ist, nutzte das Trio Robert Wilson, William S. Burroughs und Tom Waits das Ganze wiederum für ihr Stück „The Black Rider“ (das ich nebenbei sehr schätze).

Aber das ist noch nicht alles: Denn das Gespensterbuch war schon kurz nach der Entstehung extrem populär. Eine Auswahl der Geschichten wurde ins Französische und ins Englische übersetzt. Diese Ausgabe wurde zur Inspiration einer Gruppe, die sich 1816 am Genfer See einfand: Lord Byron, William Polidori sowie Percy Bysshe Shelley samt Frau Mary. Letztere schrieb bei dieser Gelegenheit die bekannte Geschichte Frankenstein.

Wer solche Erzählungen mag, für den dürfen die Geschichten von Apel und Laun kein blinder Fleck sein!

Edward Abbey, Die Monkey Wrench Gang

Eine skurrile Geschichte aus den 70ern: Eine Gruppe Ökosaboteure wirkt in der Gegend des Grand Canyons. Das Buch ist nicht nur thematisch wie ein Road Movie, sondern auch stilistisch dermaßen da angelehnt, dass es nach einer Verfilmung schreit. Am besten von Terry „Fear and Loathing“ Gilliam. Ein großer Spaß für kleine Saboteure. 🙂

Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Ein Buch, das ich vor längerem empfohlen bekommen hatte, aber geraume Zeit liegen blieb. Die Sammlung kurzer Essays ist insgesamt auf jeden Fall interessant und anregend. Sie lohnt auch in Zukunft mit Sicherheit immer wieder die Lektüre.

Lieblingssatz: Es gibt kein richtiges Leben im falsch.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén