Essays, Skizzen und Gedanken

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Arno Schmidt, Julia oder die Gemälde. Bargfelder Ausgabe IV.4

Mein zweiter Band aus Schmidts Spätwerk. Es ist ein Fragment, weil der Autor starb, bevor er das Buch beenden konnte. Es werkelt mit den üblichen Spielereien aus Schmidts Spätwerk, die hier aber nur bedingt zünden. Eine bemerkenswerte Kleinigkeit sei erwähnt: Schmidt erwähnt hier einen der ersten Commodore-Computer, sogar mit Abbildung. Der alte Mathefan wäre wohl begeistert davon gewesen, was bereits wenige Jahre nach seinem Tod mit Heimcomputern möglich war – nämlich deutlich mehr als die praktische Berechnung von Logarithmen.

Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten. Bargfelder Ausgabe IV.2

Die Schule der Atheisten war das erste Großbuch, das ich von Schmidt in die Finger bekam und las. Das Lesen war nicht immer bequem (schon wegen des Formats), die Wort- und Satzsprünge damals nicht immer leicht nachzuvollziehen, dennoch weiß ich noch, dass ich die Lektüre als solche durchaus amüsant fand.

Heute in der Rückschau bin ich  überrascht, wie wenig bleibenden Eindruck der Text bei mir hinterlassen hat. Die Hauptachsen habe ich zwar immer noch im Kopf, besonders herausragende Szenen haben sich allerdings kaum in mein Gedächtnis gebrannt. Da kommen andere Texte von Schmidt – ganz besonders KAFF – deutlich besser weg, anders kann ich es nicht sagen. Nur der Vollständigkeit halber: Der Titel spielt natürlich mit Jules Vernes Schule der Robinsons.

Axel Dunker, Arno Schmidt 1914–1979 (Katalog)

Dieser Katalog ist eine schöne Ergänzung zu dem Wu-hi-Band. Hier finden sich allerlei Materialien in Form von Fotos, Zeichnungen, Notizen, Bemerkungen. Insgesamt also ein schöner Band zum Durchblättern.

Besonderes Bonbon: Ich habe ihn mal von der Arno-Schmidt-Stiftung geschenkt bekommen, offenbar weil sie Restexemplare loswerden wollten.

Jan Philipp Reemtsma, Bernd Rauschenbach (Hrsg.), „Wu hi?“ Arno Schmidt in Görlitz Lauban Greiffenberg

Diese Sammlung war ein erster Versuch, biografisches Material über den frühen Arno Schmidt zu sammeln. Es sind etliche kleine, fast durchweg interessante Einzelheiten, die dabei helfen, sich ein Bild von den frühen Jahren dieses Mannes zu machen, dessen Leben höchstwahrscheinlich schon damals nicht anders als seltsam bezeichnet werden kann. Besonders schön finde ich die eponyme Geschichte: Der junge Schmidt fuhr erstmals mit der Bahn in Schlesien zur weiterführenden Schule und wurde von einem alten Schlesier gefragt: „Wu hi?“ Schmidt, damals des Schlesischen nicht mächtig, deutete die Frage („Wo geht’s hin?“) fehl, nämlich als Frage nach seinem Namen. Daher stand der gut erzogene Junge auf, verbeugte sich und stellte sich höflich vor.

Solange Bernd Rauschenbach seine Schmidt-Biografie noch nicht vollendet hat, müssen wir uns hinsichtlich der Frühzeit u.a. hiermit begnügen.

Arno Schmidt, KAFF auch Mare Crisium

Spätestens bei der Lektüre dieses Romans war ich verloren. Hier wurde mir klar, was für eine Qualität der Autor Schmidt liefern konnte. Von der ersten bis zur letzten Seite habe ich bei keinem anderen Schmidttext so viel Vergnügen gehabt wie bei diesem Werk, das sich zwischen Dorftreiben und einem längeren Gedankenspiel um eine Mondkolonie tummelt. Das Kolonieleben aus amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftlern erinnert ein wenig an die Gelehrtenrepublik, ist aber erstens besser austariert und zweitens eben nur Teil der Geschichte, nicht die Geschichte selbst. Wie Dorf und Mond miteinander verknüpft sind? Über Schmidts Lieblingstrick, das „längere Gedankenspiel“. Besonders beeindruckend ist hier der Stand von Schmidts Schreibe. Seine Zeichensetzung ist spätestens zu dieser Zeit so gelungen, dass er mit ein paar Ausrufe- und Fragezeichen sowie Gedankenstrichen eine Reihe von Gesichtsausdrücken in einer Geschwindigkeit zaubern kann, um die ihn viele Chatnutzer heute noch beneiden dürften.

Besonderes Bonbon: Seine Umsetzung des Nibelungenlieds in die Moderne. Sie hat mich früher zur Kreation dieses Texts verleitet.

Arno Schmidt, Das steinerne Herz

Als ich das steinerne Herz vor mehr als 10 Jahren gelesen habe, fand ich es damals sehr interessant. Das lag an der Schmidts Schreibe, daran, dass ich kurz zuvor einige gute Freunde genau in der Gegend kennenlernen durfte, in der Schmidt seine letzten Jahrzehnte verbrachte. Es lag damals aber auch an der Geschichte, die mir irgendwie gefiel. Es geht um seltene Bücher, einen fanatischen Sammler, um die Suche nach einer Art Schatz. Der eigentliche Schatz ist aber die Schilderung der Reise der Hauptfigur in die DDR. Hier erfahren Nachgeborene allerlei Interessantes jenseits der sozialistischen Propaganda, aber auch fern der Kommunistenhatz, die den meisten westdeutschen Meinungsführern damals noch den Schaum vor den Mund trieb.
Zumindest diese Episode halte ich daher aus diesem Buch auch heute noch für eine der besten Leistungen Schmidts.

Arno Schmidt, Die Gelehrtenrepublik

Ein ausgewalztes Gedankenspiel ist dieser Text von Schmidt. Ich habe ihn sowohl in der Bargfelder Ausgabe wie auch als Fischer-Taschenbuch vorliegen (bei Interesse bitte melden, ich versuche derzeit, Dubletten zu reduzieren). Schmidt schildert in dieser Endzeitgeschichte die Existenz und das Treiben auf der nur von Gelehrten bewohnten künstlichen Insel IRAS, die im Pazifik treibt. So doof die Geschichte in vielen Teilen ist (sorry, anders kann man es nicht sagen), so interessant finde ich seine Herangehensweise. Das ganze wird als Reisetagebuch geschildert, das aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt worden sei. Natürlich wird auch das ach-so-neutrale Gelehrtentreiben auf der Insel von amerikanischen und sowjetischen Spionen hintertrieben. Somit kann die Lehre nur sein: Auch von dieser Seite ist keine Hilfe zu erwarten.

Im Ganzen also nett, aber in der Qualität letztlich nur wenig wertvoll. Übrigens im Ganzen eine Anleihe an Klopstocks Gelehrtenrepublik, die ich – ungelesen – für noch belangloser halte.

Arno Schmidt, Erzählungen

Mein Einstieg in die Welt Arno Schmidts erfolgte vor allem durch kleine Haffmans-Bücher und den Raben. Das erste größere Buch mit Schmidt-Texten, das ich erstand, war dieser hier. Er versammelt die Erzählungen Leviathan, Die Umsiedler, Brand’s Haide, Aus dem Leben eines Fauns, Schwarze Spiegel, Seelandschaft mit Pocahontas, Tina oder über die Unsterblichkeit, Caliban über Setebos, Kühe in Halbtrauer, Die Abenteuer der Sylvesternacht, Aus der Inselstraße, Kleiner Krieg. Es finden sich also neben dem Frühwerk echte Klassiker wie Pocahontas, aber auch einen Essay wie Kleiner Krieg. Daher ist es daher ein empfehlenswerter Einstieg, wenn man mehr vom Heidedichter erfahren möchte. Heute nutze ich allerdings eher andere Ausgaben, um dieselben Inhalte zu goutieren.

Arno Schmidt, Das Leptothe=Herz

Als der Haffmans-Verlag noch selbständig war und auf die Fittiche von Zweitausendeins noch verzichten konnte, warf er allerlei Sammlungen von zahlreichen Schmidttexten auf den Markt. Mal gut, mal weniger gut sortiert. Aber für einen beginnenden Schmidtleser waren es praktische Büchlein, mit denen man sich dem Thema annähern konnte, ohne gleich Zettel’s Traum lesen zu müssen. Der vorliegende Band versammelt 16 von Schmidts Essays (vor allem) zum Thema Schriftstellerei. Es geht um Freud, May, Verne, Joyce und andere, alles der übliche Schmidt-Kosmos. Natürlich finden sich alle Essays auch in der längst angesprochenen Bargfelder Ausgabe, daher ist dieser Band hier für mich kaum noch mehr als ein praktisches Vademecum, falls ich mal unterwegs ein bisschen Schmidt schnuppern möchte. (Was zugegebenerweise immer seltener vorkommt.)

Arno Schmidt, Ritter vom Geist – von vergessenen Kollegen

Weiter geht’s mit den Schmidt-Dubletten. Der vorliegende Band ist ein Reprint der Ausgabe von 1965. Er enthält Schmidts Radioessay „Der Ritter vom Geist“, „Nichts ist mir zu klein“, „Ein unerledigter Fall / Zum 100. Geburstage von Gustav Frenssen“, „Samuel Christian Pape / Vergessene Dichtung aus Moor und Heide“, „>Funfzehn< / Vom Wunderkind der Sinnlosigkeit“ sowie „und dann die Herren Leutnants! / Betrachtungen zu >Witiko< & Adalbert Stifter“.
Wenn man vom Pape und Stifter absieht, handelt es sich durchweg um Essays, die ich gern gelesen und gehört habe. Aber sie liegen mir eben auch mehrfach vor. Trotzdem ein feines Buch.

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