Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Edition Erdmann

Ferdinand Salentiny, Das Lexikon der Seefahrer und Entdecker

Okay, ich gebe es zu, dieses Buch habe ich nicht am Stück und vor allem nicht ganz gelesen. Aber ich habe immer wieder etwas nachgeschlagen in diesem wirklich netten Lexikon aus meiner geschätzten Edition Erdmann. Von Luigi Amadeo Giuseppe Maria Ferdinando Francesco Duca degli Abruzzi bis zu Graf Zeppelin steht hier so ungefähr jeder drin, der zum ersten Mal einen Berg bestiegen, einen Fluß durchschwommen oder eine Insel betreten hat – sofern es sich dabei um einen Europäer oder europäischstämmigen Amerikaner handelt. Es ist also, das muss ich einräumen, sehr eurozentriert.

Marco Polo, Von Venedig nach China. Die größte Reise des 13. Jahrhunderts

Und ein weiterer Erdmann-Band. Tja, muss man über Marco Polo viele Worte verlieren? Gut, die Jugend wird ihn vermutlich eher als Marke kennen (dann anders geschrieben), etwas gebildetere Menschen werfen geistigen Diebstahl ins Feld (die Nudel; was nebenbei meist auch noch verfälscht wird, weil die Herkunft der Nudel im seidenstraßigen Spannungsfeld zwischen dem Orient und der Mongolei verborgen ist). Wer aber macht sich schon die Mühe, die Aufzeichnungen dieses wagemutigen Aufschneiders mal zu lesen? Die wenigsten. Und ich kann es sogar verstehen. Es ist viel heiße Luft um wenig, selbst wenn es für seine Zeit und die nachfolgenden Generationen eine legendäre Leistung bleibt.

Antonio Pigafetta, Die erste Reise um die Erde. Ein Augenzeugenbericht von der Weltumsegelung Magellans 1519–1522

Ein weiterer Band aus der von mir hochgeschätzten Edition Erdmann. Diesmal geht es um die Reise Magellans, der bekanntlich selbst es nicht geschafft hat, die Erde zu umrunden, sondern auf der Expedition selbst bei einem brutalen Eroberungs- und Bekehrungsversuch getötet wurde. Als Dokument für die Menschheit fraglos interessant, wenn es auch kaum der spannendste Text aus meiner Literatur der Seefahrer ist.

Johann Michael Kühn u. a., Gefangen unter Korsaren. Deutsche Seeleute in der Gefangenschaft algerischer Seeräuber

Bereits des Öfteren habe ich von Büchern aus der Edition Erdmann berichtet. Hier handelt es sich um einen Sammelband, der drei Geschichten deutscher Seefahrer enthält, die im 18. bzw. 19. Jahrhundert in die Hände von Korsaren gekommen und teils erst nach Jahren wieder in die Freiheit gelangen konnten. Oft sehr spannend und eine gute Ergänzung zu Oppermanns Hundert Jahre.
Die Texte beinhalten Erzählungen aus dem Leben von Johann Michael Kühn, Johann Friedrich Keßler und Simon Friedrich Pfeiffer.

Alexandre Olivier Exquemelin, Das Piratenbuch von 1678

Ein weiterer sehr gelungener Band aus der Edition Erdmann (ein Hoch auf den Erdmann-Verlag!). Es ist schon Jahre her, dass ich den Exquemelin gelesen habe, trotzdem gehört er unbedingt zu den spannendsten und interessantesten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Exquemelin hat so einiges mitgemacht im sogenannten Golden Age des Piratentums. Er war in der ganzen Karibik unterwegs, er beobachtete und beschrieb Pflanzen und Tiere, die einem Europäer des 17. Jahrhunderts wie Fabelwesen erscheinen mussten, und lernte berühmt-berüchtigte Piraten wie Lolonois und Morgan kennen. In der Mannschaft von Morgan war er sogar bei der sagenumwobenen Eroberung Panamas dabei. Das Buch ist, man kann es gar nicht anders sagen, die Basis für jede Piratenforschung, selbst wenn Exquemelin fraglos die Wahrheit ein wenig nach seinem Dafürhalten „angepasst“ haben dürfte. Lesenswert! Unbedingt lesenswert!

William Dampier, Freibeuter

Ein weiterer Band aus der Edition Erdmann, diesmal von einem englischen Seemann verfasst, der sich acht Jahre als Freibeuter um die Welt getrieben hat, zurück in England aber ein hochspannendes Buch über seine Erlebnisse verfasst hat. Besonders interessant: Auf seiner Reise wurde der Seemann Alexander Selkirk auf einer Insel ausgesetzt – später bekannt geworden als Vorbild für Robinson Crusoe.
Wirklich ein tolles Stück Abenteuer- und Entdeckerliteratur. Sehr zu empfehlen!

William Bligh, Meuterei auf der Bounty. George Hamilton, Die Piratenjagd der Fregatte Pandora.

Der Erdmann-Verlag ist seit geraumer Zeit so freundlich, eine Reihe zum Teil hochspannender Bücher über die Seefahrt in sehr wohl hübschen Ausgaben auf den Markt zu werfen. Der erste Band, den ich aus dieser Reihe vorstellen möchte, besteht aus Blighs bekannter Schilderung der Meuterei auf der Bounty und der wagemutigen Fahrt in der Nussschale, bei der Bligh an den Sternen und aus dem Kopf navigierte. Nebenbei sei darauf hingewiesen, dass die klassische Ansicht, Bligh sei ein Menschenschinder gewesen, daher rührt, dass die bekanntere Version der Geschichte von einem Verwandten des Fletcher Christian verbreitet wurde. Im Gegenteil galt Bligh innerhalb der britischen Marine als jemand, der viel zu weich mit seiner Mannschaft umging. Das möge man in Zukunft bei der x-ten Verfilmung bitte im Hinterkopf bewahren.

Hamilton seinerseits wurde den Meuterern hinterhergeschickt. Ich muss gestehen, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann, was er Dolles schildert; so spannend kann es also nicht gewesen sein. Ich weiß aber noch, dass er schreibt, wie die Eingeborenen die Engländer wegen ihres Geizes bezeichnen. Siehe dazu hier.

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