Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Gustave Flaubert

Gustave Flaubert, Bouvard und Pécuchet

Es fällt schwer, die beiden Pole der Kritik zusammenzubringen. Als äße man eine Suppe, bestehend nur aus Wasser, aber versetzt mit einer exakt aufeinander abgestimmten Kräutermischung.

Der Stil des Romans ist in der Tat blendend gut. (Übersetzer Wolfgang Skwara betont zudem, dass er sich sehr an Flauberts Stil anzulehnen versucht hat, indem er etwa die Aufteilung von Sätzen oder Wortwiederholungen Flauberts ebenfalls übertragen hat). Aber der Inhalt ist eine dermaßen belanglose Aneinanderreihung von Titeln, Ereignissen und Theorien, dass der feine Stil schon nach wenigen Seiten nicht darüber hinwegtäuschen kann: Diese Suppe schmeckt nach nichts.

Farblose Figuren in einem noch nicht einmal absurd anmutenden Kasperltheater der komprimierten Langeweile machen die Lektüre bisweilen zu einer einschläfernden Qual und man fragt sich viel zu oft: Wann, ja wann wird dieses Kapitel endlich enden?

Gustave Flaubert, Das Wörterbuch der Gemeinplätze

Nachdem mir ans Herz gelegt wurde, doch einmal ein bisschen Flaubert zu lesen, nutzte ich nun die Chance, die Zweitausendeins seit ein paar Wochen bietet, und bestellte mir ein bisschen Flaubert, darunter dieses Wörterbuch.

Irgendwie gehört es in eine Reihe mit dem Bierce’ Wörterbuch des Teufels und Henscheids Dummdeutsch. Ob es der Ausgangspunkt solcher und vergleichbarer Arbeiten ist, mag ich nicht beurteilen. Bierce fand ich bei jeder Lektüre bisher irgendwie unbefriedigend (sein Leben scheint mir spannender als seine Literatur). Das Dummdeutsch weiß mich zumindest in Teilen zu amüsieren.

Mein fehlender Flaubert-Jubel fällt schon auf, oder? Tja, wie soll ich es sagen. Man merkt, dass Flaubert gut beobachtet, an etlichen Stellen auch hübsch böse zu sein weiß. Aber es krankt. Es krankt vor allem an der Übersetzung. Die ist zwar nicht merklich schlecht, aber oft stumpf und uninspiriert. Ich bedaure wirklich, dass mein Französisch mittlerweile zu miserabel ist, als dass ich mir zutrauen könnte, die Gemeinplätze im Original zu lesen. Ins Deutsche übertragen leidet der Text aber an den vielen in Fußnoten verbannten notwendigen Erklärungen. Außerdem wirkt auffallend vieles so … unelegant, dass es selbst an den besseren Stellen zu kaum mehr als einem Schmunzeln reicht.

Nein, wirklich bemerkenswert fand ich es eigentlich in einer speziellen Hinsicht, auf die ich im Lauf der kommenden Wochen noch zu sprechen kommen werde.

Gerd Haffmans (Hrsg.), Der dekadente Rabe

Der dekadente Rabe (Rabe Nr. 15) war das Geschenk eines lieben Freundes, das mir mancherlei erheiternde Stunde gebracht hat. Insbesondere ein Poe-Text, den ich entweder noch nicht kannte oder peinlicherweise vergessen haben müsste, hat es mir angetan. Aber auch Baudelaire, Kingsmill und Drews wissen ihren Teil zur Dekadenz beizutragen. Flaubert, für den ich mich einfach (noch) nicht begeistern kann, sieht dagegen in meinen Augen recht blass aus. Wie sonst auch.

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