Nur wer total ignorant ist, kann noch glauben, dass klassischen Verbrennungsmotoren die Zukunft gehört. Und wenn die großen Automobilkonzerne gerade die Entwicklung verpennen, dann brauchen wir uns dem ja nicht anzuschließen. Vor allem darf die Lösung sich nicht darauf beschränken, einfach einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor auszutauschen. Deshalb ist es in der aktuellen Phase so eminent wichtig, neu zu denken. Das zeigen Menschen wie Elon Musk. Das zeigen aber auch weniger bekannte Menschen wie Alois Bauer.

Bauer ist gelernter Kfz-Mechaniker und Karosseriebauer und entwickelt derzeit mit seinem Unternehmen Spezialfahrzeuge mit Elektroantrieb. Er hat verstanden, über die Notwendigkeiten neuer Antriebe hinauszudenken. Deshalb schaut er nach den Möglichkeiten und was daraus folgt.

Ein ganz einfaches Beispiel: Ein befreundeter Weinbauer gibt bei Bauer einen Traktor für die Weinberge in Auftrag. Bauer, der sich bislang eher wenig damit beschäftigt hat, wundert sich über den großen Wendekreis eines solchen Traktors. In der bisherigen Form, so bemerkt er, kann der Traktor nicht von einer Weinreihe zur anderen fahren.
Wer den Weinbau schon in Aktion erlebt hat, wundert sich so wenig wie der Auftraggeber: Der Traktor überspringt einfach eine Reihe und fährt daher immer jede zweite Reihe ab. Die jeweils fehlende Reihe wird eben auf dem Rückweg bearbeitet.

Bauer hingegen sagt sich: Das Wendekreisproblem interessiert in der Elektrofahrzeugtechnik an sich gar nicht. Da die Antriebe viel einfacher und sogar radgenau genutzt werden können, sind durchgehende Achsen nicht notwendig. Räder können sich praktisch in jede gewünschte Richtung drehen. Also kann ich auch einen Traktor bauen, der einen Wendekreis hat, mit dem ich jede Reihe nacheinander abfahren kann.

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, wie sehr wir im Denkschema hergebrachter Technik gefangen sind. Wir müssen neu lernen, was geht und was nicht geht. Und um es kurz zu machen: Abgesehen von der derzeit noch geringeren Reichweite geht mit der Elektromobilität einiges mehr.

Nicht ganz folgen möchte ich Bauer bei seinen Überlegungen, wie sich Autokonzerne in den kommenden Jahren aufstellen. Es sind zwar sympathische Gedanken darunter, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Konzerne lieber in ihrer jetzigen Form untergehen, als sich so radikal zu verändern, wie er es vorschlägt.

Alles in allem dennoch ein hübsches kleines E-Book, das ein paar Denkanstöße gibt, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Vor allem erinnert es an die größte Gabe, die dem Menschen zur Verfügung steht: sein Erfindungsgeist.