Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Ronald K. Siegel, Halluzinationen

Von Siegel hab ich zwei Bücher in einem modernen Antiquariat entdeckt. Das hier ist das erste, das ich vorstelle. Ich hab schon vielfach erwähnt, dass ich ein gewisses Interesse daran hege, wie Substanzen auf die Biologie der Nervenzellen wirken können. Ich finde es faszinierend, wie einfach man das System der Wahrnehmung zerschießen und damit deutlich machen kann, wie fragil unsere „Realität“ doch ist. Und bevor wir hier eine zu tiefe Diskussion starten, fasse ich den aktuellen Forschungsstand einfach zusammen: Unsere Realität ist nicht mehr als das, was wir uns selbst vorgaukeln. So gesehen hatte Schopenhauer mit der Welt als Wille und Vorstellung mehr recht, als ihm das damals klar gewesen sein dürfte. Oder sind wir heute vielleicht nur Ergebnis seiner Welt?

Kurz zu Siegels Buch: Er stellt hier in einer Reihe Essays die Erfahrungen mit verschiedenen Drogen oder Bewusstseinszuständen dar. Darunter sind spannende Geschichten, erschreckende Storys, neugierig machende Experimente … es ist wirklich ein toller Fundus, der nebenbei zeigt, dass Siegel selbst ein wenig derangiert zu sein scheint. Ein Beleg dafür? Halluzinationen können auch ohne Substanzen in bedrohlichen Situationen wie Isolationshaft entstehen. Wie viele Menschen würden sich aber zum Zweck des Beweises und um diese Erfahrung selbst zu machen allein in einen Käfig in einer alten Fabrik einsperren lassen, um Halluzinationen zu bekommen, und nur ein Freund weiß, wo man ist?

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  1. Nee, derartige Stimulanzien habe ich bisher nicht ausprobiert. Das ist mir alles auch so aufregend genug… besonders das Fliegen.

    • Auch keinen Alkohol? Denn ab gewissen Mengen kann auch Wein zu Halluzinationen führen (allerdings eher dann, wenn der Pegel nicht mehr erreicht wird, den manche Leute brauchen).

  2. Also ich brauche mich in keinen Käfig einsperren zu lassen, um verrückte Dinge zu sehen… da reicht schon „Augen zu und schlafen“. 😉

    • Wohl dem, der über diese Traumwelt verfügt. Ich weiß sie auch sehr zu schätzen und bin umso froher, als ich weiß, wie ich sie gezielt stimulieren kann. (Ein Gläschen Absinth sorgt bei mir beispielsweise stets für besonders aufregende und farbenfrohe Träume – allerdings erst eine Nacht später, warum auch immer.)

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