Essays, Skizzen und Gedanken

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Haruki Murakami, Der Elefant verschwindet

Eine Sammlung aus acht teils recht ungewöhnlichen Geschichten. So miniaturhaft sie angelegt sind, so sehr zeichnen sie sich auch in dieser Kleinheit durch Murakamis besondere Art aus, ein eigenes Universum zu erschaffen. Ein Universum, an dem man als Leser in keinem Moment zweifelt. Man versinkt einfach; fast wie in dem hypnagogischen Zustand beim Eindösen vergleichbar. Auch hier nimmt man alles, was einem erscheint, für wahr, bindet es gegebenenfalls sogar in die dösenden Gedanken mit ein, was ihnen ein besonders realistisches Umfeld beschwert.

Für ein kurzes Eintauchen in Murakamis Welt durchweg zu empfehlen.

Haruki Murakami, Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Warum ich ausgerechnet ein Buch über Laufen lese, wurde ich während der Lektüre gefragt. Nun, das war eine einfach zu beantwortende Frage: weil es mir von einer Freundin geliehen wurde, die weiß, dass ich gern Murakami lese.

Warum ich Vergnügen an der Lektüre des kleinen Büchleins empfand? Das ist ähnlich leicht zu beantworten. Weil Murakami in einer Reihe von Essays erklärt, dass er schreibt, wie er läuft. Man erfährt durch seine Schilderungen daher einiges nicht nur über seine Läuferkarriere, sondern erhält auch interessante Einblicke in seine Sicht auf (für ihn) wichtige Dinge der Welt.

David Zane Mairowitz, Robert Crumb, Kafka. Kurz und knapp

Erst neulich wurde ich unsanft damit konfrontiert, dass die Menschen Kafka erstaunlich wenig kennen. Egal, ob 45, 30 oder 25 – ein Raum voller Kolleginnen kannte KEINE einzige Kafka-Geschichte. Gut, nun mag man meinen, dass Kafka insbesondere von Deutschlehrern (dazu empfehle ich Sebastian Krämers Deutschlehrerlied) leicht überschätzt wird. Aber das ändert nichts daran, dass er für die Literatur, und nicht nur für die deutschsprachige Literatur ein Meilenstein ist und war. Dementsprechend wichtig ist es auch heute noch, sich mit Kafka und seinen Texten zu befassen. Ein interessanter Zugang ist dieser Einstieg auf Comic-Ebene. Wer Kafka und/oder Crumb schätzt, wird diesen Band sehr mögen. Wer Kafka tatsächlich noch nicht kennt, sollte wenigstens hiermit anfangen – oder besser gleich die Klassiker lesen. Die sind nun wirklich gut erreichbar.

Wie ich neulich schon angekündigt habe, ist Erwin nun gut lieferbar.

Nach vielen Jahren an meiner Pinwand ist Erwin der Flaminguin eines Tages zum Leben erweckt worden. Und im letzten Winter hat er es nun endlich auch zwischen zwei Buchdeckel geschafft.

Im Buch geht es um den kleinen Erwin. Er wächst bei seinem Flamingovater auf, ohne seine Mutter zu kennen. Aber er ist anders als die anderen Flamingos, deshalb hat er es nicht immer ganz leicht – bevor er sich zusammen mit seiner Freundin Toja auf eine große Abenteuerreise begibt.

Das Buch über den kleinen coolen Helden ist für Leser ab 8 und kann für 9,90 Euro direkt bei mir bestellt werden: blog (bei) doctotte de (gern auch mit Signatur)

erwin der Flaminguin

Erwin der Flaminguin

 

Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei

Man kann ja über Marx und Engels sagen, was man will. Aber mit der Analyse im Kommunistischen Manifest haben sie bis heute Recht behalten. Und ich räume ein, dass ich es schon etwas erschreckend finde, dass sich das System praktisch seit anderhalb Jahrhunderten nicht wesentlich verbessert hat. Kaum weniger erschreckend ist allerdings die Tatsache, dass in derselben Zeit keine wirklich funktionierende Lösung gefunden wurde. Denn die sozialistischen Diktaturen kann man beim besten Willen nicht als solche betrachten – und ehrlich gesagt habe ich sogar meine Zweifel, dass der Mensch für einen wie auch immer gearteten Sozialismus überhaupt geeignet ist. Aber wer weiß, vielleicht werde ich ja auch noch eines Tages eines Besseren belehrt.
Das ändert aber nichts daran, dass das Manifest aus Gründen der Analyse auch weiterhin eine hochwichtige Quelle bleibt, deren Lektüre jedem politisch interessierten Menschen dringend zu empfehlen ist – sofern er es nicht sowieso kennt.

Haruki Murakami, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Der neuste Murakami, den ich mir überraschend schnell kaufen musste – warum auch immer. Irgendwie hatte ich Lust darauf, ihn gleich zu lesen. Und ich kann vorwegnehmen, dass es sich gelohnt hat.

Murakami bastelt aus einem Figurensatz, wie er so ähnlich auch in 1Q84 vorkommen könnte, ein Panorama aus Freundschaften, Stärken und Schwächen auf, aus Träumen, zerplatzten Träumen und Enttäuschungen. Aber am Ende ist man dann doch etwas verwundert, welche Figur eigentlich besonders stark ist. Manchmal ist eben nicht derjenige der Außenseiter, von dem man es denkt.

Ich halte die Pilgerjahre nicht unbedingt für das beste Buch aller Zeiten, und an Murakamis Opus magnum reicht es lange nicht heran. Aber es war wieder ein wunderschöner Ausflug in seine Welt, der mir sehr viel Freude gemacht hat.

Wolfgang Martynkewicz, Arno Schmidt (Rowohlt-Biographie)

Passt gut, weil der gute Arno Schmidt neulich seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Tja, zu dieser Rowohl-Biographie möchte ich besonders wenig sagen: ein bisschen Faktensammelei. Wunderbare Details erfährt man besser in anderen Büchern wie den Tagebüchern, Wu hi und diesem Ausstellungskatalog.

Und etwas Umfassenderes erwarte ich eigentlich mit der Schmidt-Biographie, an der Bernd Rauschenbach seit geraumer Zeit sitzt.

Linda McCartney, Die 60er Jahre. Portrait einer Ära

Wer Kunstbände sein Eigen nennt, wird vermutlich ähnlich wie ich das „Problem“ kennen, dass es zwar schön ist, diese Bände zu haben, sie auch mal durchzublättern. Aber wirklich gelesen, wirklich studiert werden wohl die wenigsten dieser Bücher.

Nicht nur in dieser Hinsicht sticht der Band von McCartney heraus. Nein, es sind wirklich wundervolle Fotografien aus den 60ern, aus einer Zeit, als die Welt im Umbruch war. Und McCartney – damals hieß sie noch Eastman, war aber nicht mit der Kodakfamilie verwandt, obwohl sie als Fotografin arbeitete – war mittendrin. Sie erlebte in Kalifornien, in London und an vielen anderen Orten all die Leute, die später als sogenannte Musikgrößen in die Geschichte eingingen. Sie fotografierte, Hendrix, Joplin, Who, Cream, die Doors, Zappa, die Yardbirds, Grateful Dead, Jefferson Airplane, Dylan, Beach Boys, Twiggy, B.B. King, Otis Redding, Buffalo Springfield, Still, Crosby & Nash, Tiny Tim, Blue Cheer, Simon & Garfunkle, Mamas und Papas, natürlich die Beatles und, und, und. Kurz – you name it, she shot it.*

Und um das Fass voll zu machen: McCartney hat nicht nur einfach Fotos gemacht, nein, sie hat fantastische Bilder eingefangen. Bilder eines Who-Soundhchecks(!), bei dem Townsend seine Gitarre und Moon mal eben das Schlagzeug zerlegen, Bilder eines entspannt-ausgelassenen Hendrix’ an der Bar – ach, es gibt praktisch keine Seite in diesem Schirmer-Mosel-Band, die enttäuscht. Deshalb muss ich jedem, wirklich jedem, der auch nur irgendwie diese Zeit und ihre Musik schätzt, dringend empfehlen, sich diesen Band zuzulegen! Er ist A B S O L U T fantastisch!

* Mir fällt aus dem Stand nur ein bekanntes Beispiel ein, das hier fehlt: Joe Cocker. Es sei denn, ich hätte das Foto vergessen und fände es auch gerade nicht.

Sabine Finzel, Carmen Mayer (Hrsg.), Seelenmusik

Okay, ich gestehe es, ich kenne mit Sabine Finzel eine der beiden Herausgeberinnen gut und auch wenige der in dieser Anthologie versammelten Autoren zumindest vom Sehen. Aber ich möchte betonen, hier unvoreingenommen zu werten. Es finden sich Gedichte, Kurzgeschichten, leicht Experimentelles – praktisch ist hier für jeden was dabei. Die Autoren kommen aus ganz Deutschland und Österreich, so gesehen ist es also ein sehr bunter Mix.

Und in meinem Hirn geht der Mix sogar noch weiter: Irgendwie schwant mir nämlich, dass ich das Buch qualitativ mit einer anderen Anthologie zusammen abgespeichert habe. Daher bin ich mir nur bei einzelnen Teilen sicher, zum Beispiel, dass mir vor allem die Texte von Carmen Meyer gefallen haben. Ja, da würde es sich fraglos lohnen, noch ein wenig weiter über den Tellerrand zu kibitzen. Dazu empfehle ich ihre Website Wortschätze.

John Milton, Das verlorene Paradies

Zweites Semester Skandinavistik, Thema: Barockdichtung. Das war ein Volltreffer. Denn die Pseudo-Germanisten vom Schlage „Ich sprech ja Deutsch. Also kann ich Germanistik studieren.“ blieben der Vorlesung fern, ein Großteil der Skandinavisten auch. Deshalb saßen wir am Ende zu dritt in einem der großen Hörsäle der RUB und lauschten Professor Baumgartner.

Schon damals war mir klar: Hier kriegst du gerade was Dolles geboten. Und das sage ich heute noch. Baumgartner lieferte uns einen furiosen Rundritt durch bizarre, amplifizierte Texte, gespickt mit Oxymora und sonstigen Stilfiguren. Mindestens einmal unterhielt der Fachschaftschor mit zeitgenössischen Liedern (damals hab ich übrigens zum ersten Mal „den Amerikaner“ gesehen, wie der beim Chor als Dirigent fungierende Ph.D. Taylor damals auf den Gängen ehrfürchtig genannt wurde und mit dem ich heute noch befreundet bin, wenn wir uns leider auch viel zu selten sehen – dir einen lieben Gruß an dieser Stelle, wenn du das hier liest!).

Besonders interessant war unter anderem das Hexaemeron von Anders Christensen Arrebo.
Und ziemlich genau in dieser Zeit hörten viele Freunde von mir die Band Paradise Lost. Ich bekam natürlich mit: Hey, das ist doch ein Gedicht von diesem Engländer, wie heißt er noch, Milton. Und ich dachte bei mir: Hey, wo du dich doch sowieso gerade in dieser Zeit herumtreibst, warum liest du da nicht das Gedicht, nach dem sich diese langweilige Band benannt hat? (Mir gefiel die Band damals nicht und heute auch nicht.)

Tja. Und heute bin ich froh, dass ich das Buch damals gelesen habe. Mit Betonung auf damals. Denn heute würde ich das sicher nicht zu Ende lesen. Glaub ich jedenfalls. Klar, es war literaturhistorisch interessant. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass es heute bessere und wichtigere Bücher gibt, in die ich meine Restlebenszeit investieren sollte. Aber gut, irgendwann lese ich vielleicht doch noch die göttliche Komödie. Wer weiß.

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