Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

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Ror Wolf, hans waldmanns abenteuer

Ich kenne bis heute leider immer noch nur Ausschnitte aus Wolfs Wirken. Aber diese Abenteuer gehören für mich zu dem Lustigsten, Bewegendsten und Spannendsten, was ich von ihm gelesen habe. Unvergessen Waldmanns Sturzereignisse im bewegenden „ruhe, ruhe“. Und allein für den Vierzeiler Wetterverhältnisse* (der sich auf der Rückseite des Buchs befindet) gebührt diesem Virtuosen des Wortes meines Erachtens eine überlebensgroße Statue, die uns Tag und Nacht gemahnt, dass es da einen ganz Großen gibt, der Wörter ernst und unernst zugleich, aber stets buchstaben… – was sag ich! – nanometergenau zu setzen vermag. Nicht zuletzt möchte ich auf die wundervollen Collagen verweisen, die mir in dieser Form in diesem Band erstmals vorgestellt wurden. Kurz: Es ist ein Buch, das jeder ernstzunehmender Mensch im Hause stehen haben muss, wenn er unsere Sprache wirklich schätzt.

* PS: Wer den Vierzeiler nicht kennt, möge ihn hier lesen:

WETTERVERHÄLTNISSE
es schneit, dann fällt der regen nieder,
dann schneit es, regnet es und schneit,
dann regnet es die ganze zeit,
es regnet, und dann schneit es wieder.

Horace Walpole, Die Burg von Otranto

Ja, der Otranto ist fraglos ein Klassiker, der in keiner Schauerbibliothek fehlen darf. Dabei muss man nicht nur aus heutiger Sicht einräumen, dass es eigentlich ein recht harmloses Buch ist. Es hat allerdings zu seiner Zeit für Aufregung gesorgt und ist zumindest literaturhistorisch durchaus eine Beachtung (und somit die Lektüre) wert.

Carola Stern, Heinrich A. Winkler, Wendepunkte deutscher Geschichte 1848–1945

Ich glaube, das ist das einzige Buch, das ich noch aus meinem Geschichts-Leistungskurs aufbewahrt habe. Was irgendwie seltsam ist, denn damals fand ich das Buch nicht gerade brillant. Heute muss ich einräumen, dass ich es nicht mehr so schlimm wie früher finde. Denn die Wendepunkte, die hier dargestellt sind, sind natürlich enorm wichtig für die Entwicklung dieses Landes. Insofern ist das Buch eine Bereicherung für jede politische Bibliothek.

Ror Wolf, Fortsetzung des Berichts

Ich frage den geneigten Leser, ob er schon einmal beobachtet hat, wie ein Hund, ein kleines glückliches Etwas, sich auf einem Teppich gewälzt hat, wie er sich in die Fasern gedrückt hat, Rücken, Flanken und noch mehr geschubbert.

In etwa so fühlte ich mich bei der Lektüre der Fortsetzung des Berichts. Ror Wolfs Debüt macht mich wünschen, in diesem Wortteppich zu versinken, mich an den Sätzen und Absätzen zu schubbern, Tage, Wochen, Jahre, ja mich selbst zu vergessen. Und hinüberzugehen in die Welt der Bücher, in der alles ein klares Ende hat.

Man merkt’s schon: Ich mag Wolfs Texte. Und abgesehen von seinem großartigen Humor musste ich bei diesem wegweisenden Debut feststellen, wie sehr jedes einzelne Wort, jedes einzelne Satzzeichen exakt abgewogen wurde. Es ist kein leichter Text. Es ist ein Text, der eigentlich danach schreit, dass man ihn mit viel Muße liest. Und genau das ist noch das einzige, was ich daran auszusetzen hatte: dass ich zurzeit nicht die Muße habe, die solche Bücher verdienen, um sie richtig genießen zu können.

Dringender Nachtrag (peinlich, peinlich): Das Buch war eine Schenkung zum Geburtstag und weil ich mich so gefreut habe, hab ich es auffallend schnell verschlungen. Deshalb ist mir etwas unterm Radar durchgeflogen, worauf ich heute nebenbei hingewiesen wurde. Die Schenkende – eine sehr liebe Freundin – hat es tatsächlich gedeichselt, dass Ror Wolf dem Buch, meinem Buch, seinem Buch, meinem Buch von ihm eine persönliche Widmung verpasst hat. Es ist keine irgend dahergelaufene Widmung, sondern etwas für mich Bestimmtes, das ich auf meinem Lebensweg mitnehmen werde. Danke, liebe Marlen, danke, lieber Ror Wolf! (Und jetzt geh ich in die Kammer, werde rot und hyperventiliere ein bisschen.)

Oscar Wilde, Dorian Gray, Märchen, Erzählungen, Essays

Mit einem Wort: Herrlich. Einfach nur herrlich. Wer den Gray nicht kennt, hat nichts gelesen, und so manches von Wildes Märchen sollte man eher kennen als den typischen Kanon aus dem Hause Grimm. Allein mit Wildes Essays, speziell mit seinen Literaturessays komme ich bis heute nicht klar. Sie sind mir zu verschossen, zu abgehoben und thematisieren oft Texte, die mich nicht interessieren.

Johann Karl Wezel, Belphegor

Wer milzsüchtig ist, so wie ich, wird das Buch lieben. Unverbesserliche Optimisten dagegen werden an dem Text leiden. Es ist schon recht ungewöhnlich, was den Figuren im Buch widerfährt. Dabei blinzeln zwischendurch immer wieder Stellen durch, dass Wezel weniger pessimistisch ist, als es zunächst den Anschein hat. Großes Lesevergnügen, jedem Pessimisten sehr zu empfehlen.

Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Vielleicht konnte Weber gut denken. Gut schreiben konnte er jedenfalls nicht. Miesester Text des Jahres 2010. Besonders nervig: Ständig hervorheben zu müssen, dass Kapitalismus eigentlich ein Superding ist, dass nur das, was wir erleben, kein Kapitalismus ist. So was nennt man dann Dialektik. Das Buch gibt aber ein tolles Klopapier ab.

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