Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Der Rabe

Peter Haffner (Hrsg.), Der Wissenschafts-Rabe

Der Rabe Nr. 35 ist ganz dem Thema Wissenschaft gewidmet. Die Sammlung wartet mit allerlei interessanten wie kruden Ideen auf. Beispielsweise überlegt Stephen Hawking, welche Probleme komplexere Wesen in einer zweidimensionalen Welt hätten (für verdaute Nahrung gäbe es nur einen Weg aus dem Körper heraus, nämlich den Eingang, weil die Wesen anderenfalls in zwei Hälften zerfielen). Insgesamt wieder ein recht amüsantes Sammelsurium der gehobenen Unterhaltung mit Einfällen von Musil, Lichtenberg, Swift, Sacks, Lévi-Strauss, Poe und vielen mehr!

Joachim Kersten (Hrsg.), Der Tagebuch-Rabe

Tagebücher sind eine seltsame literarische Gattung. Vermutlich gibt es kaum eine andere, die so oft begonnen, aber nicht fortgeführt, geschweige denn veröffentlich wird. Letzteres ist allerdings in den allermeisten Fällen wohl auch eher weniger wünschenswert. Umgekehrt ist es aber in zahlreichen Fällen enorm spannend, was manche Leute so notiert haben. Nicht zuletzt gilt vielen das tägliche Schreiben als wertvolle Übung oder wie Italo Svevo zu Beginn des Tagebuch-Raben (Rabe Nr. 34) zitiert wird:

„Ich glaube, glaube aufrichtig, dass es kein besseres Mittel gibt, um eines Tages richtig schreiben zu können, als täglich etwas hinzukritzeln.“

Dementsprechend changieren die Texte in diesem Raben zwischen amüsant und nachdenkenswert. Immer stillen sie aber diesen Voyeurismus, über den man als ambitionierter Leser wohl genauso verfügen muss wie gute Autoren. Denn dann und vermutlich nur dann kommt man zu Erkenntnissen, wie Jan Philipp Reemtsma sie hier in seinem Rom-Tagebuch niederschreibt:

„Das Pantheon ist der schönste Raum der Welt.“

Elsemarie Maletzke (Hrsg.), Der Hotel-Rabe

Der Rabe Nr. 33 amüsiert mit Erzählungen und Erlebnissen aus dem Hotelgewerbe. Wer könnte da nicht selbt die ein oder andere Anekdote beisteuern? Eben. Deshalb wundert es auch nicht, wenn in diesem Band Simon Borowiak (damals noch Simone), Adorno, Charlotte Brontë, Gerhard Polt und viele andere mit ihren Geschichten amüsieren. Alles in allem eine kurzweilige Unterhaltung.

Gerd Haffmans (Hrsg.), Der farbige Exoten-Rabe

Als der Haffmans-Verlag noch selbstständig lebte, und nicht als Ziehkind von Zweitausendeins, da brachte er mehrfach im Jahr eine kleine, aber feine Literaturzeitschrift in Taschenbuchformat heraus. Jede Ausgabe war monothematisch, der oder die Herausgeber wechselten dem Thema entsprechend. Gefüllt war jede einzelne Ausgabe mit Texten aus der klassischen Literatur, aber auch Neues fand sich immer wieder darunter, dazu überraschende, witzige und amüsante Zeichnungen, Bilder, Fotos oder Collagen. Während des Studiums brachte ich über verschiedenste Quellen die ein oder andere Ausgabe des Raben zusammen, die mir auch in der Zweitlektüre regelmäßig gute Unterhaltung bescheren. Einen Raben hatte ich hier bereits vor geraumer Zeit in aller Kürze vorgestellt, weitere werden folgen.

Zunächst der farbige Exoten-Rabe. Unter dem Titel mag man sich als Unbeteiligter wohl kaum etwas vorstellen. Mit der Titelseite wird es klarer. Es geht um Schwarze, Rassen, Sklaven und allem, was dazugehört. Es ist ein wahres Panoptikum an Splittern und Arbeiten von Kant, Kästner, Kipling und vielen weiteren. Hier kann man wahrhaft zahlreiche Facetten zum Thema in einem Band versammelt sehen. Mal erheiternt, mal bitter, aber immer auch auf eine Weise unterhaltsam.

Und die Lesetipps und -warnungen (Der Rabe rät und Der Rabe rät ab) sind in dieser Ausgabe mal wieder besonders schön. So u.a. Rafik Schami über „Nicht ohne meine Tochter“ mit der herrlichen Dreiwortrezension: „Aber ohne mich.“

Edgar Allan Poe, Der Rabe

In diesem Band aus der Haffmans-Ausgabe sind neben Poe-Gedichten – der Titel verrät es bereits – drei Essays versammelt: Heureka, die Methode der Komposition und Maelzels Schachspieler.

Ich mach es kurz: Poes Gedichte sind nicht meine Welt. Mit Ausnahme des Raben finde ich sie alle, sagenwirmalfreundlich: öde. Interessanter sind da die Essays, auch wenn es leider nur drei Stück sind.

Die Methode der Komposition ist bekanntlich eng mit dem Raben verbunden – schildert Poe hier doch, wie er angeblich das Gedicht entwickelt hat. Mehr zum Thema hier.

Malezels Schachspieler gehört meiner Erinnerung nach zu den frühesten Texten, die ich überhaupt von Poe gelesen habe. Warum auch immer. Ich glaube, der Text war mal irgendwo abgedruckt.

Heureka – der Versuch, den Kosmus und seine Entstehung zu erklären – ist durchaus die Lektüre wert, auch wenn er mir stellenweise wie Kraut und Rüben erscheint.

Edgar Allan Poe, Der Rabe. Zweisprachige Ausgabe mit Essay „Die Methode der Komposition“

Poe, der König, was sag ich: der Kaiser der amerikanischen Literatur, war ein Wanderer in der Welt der Buchstaben und Zeichen. Er konnte Prosa, konnte lange Texte, kurze Texte (fraglos am besten), aber er konnte auch Lyrik. Sein vermutlich bekanntester Text ist der Rabe. Ich habe Poe zwar in zwei Taschenbuchausgaben – dazu später mehr, sobald ich mich den Taschenbüchern nähere –, aber den Raben habe ich auch einmal als wunderbar gestaltete gebundene Version aus dem Insel-Verlag erstehen können.

Das Gedicht selbst ist zweisprachig wiedergegeben, was bei der Lektüre von Lyrik stets besonders sinnvoll ist. Außerdem schließt sich ein Poe-Essay an, in dem er zu erklären versucht, wie er das Gedicht geschrieben haben will. Der Essay selbst ist ein wunderbares Stück literarische Nebelkerze, mit der er sich den Mantel des Genies überzuwerfen versucht – obwohl er ihn doch längst trug.

Gerade in dieser entlarvenden Art und Weise ist der Essay die Lektüre aber umso mehr wert. Und vor allem: lesenswert.

Gerd Haffmans (Hrsg.), Der dekadente Rabe

Der dekadente Rabe (Rabe Nr. 15) war das Geschenk eines lieben Freundes, das mir mancherlei erheiternde Stunde gebracht hat. Insbesondere ein Poe-Text, den ich entweder noch nicht kannte oder peinlicherweise vergessen haben müsste, hat es mir angetan. Aber auch Baudelaire, Kingsmill und Drews wissen ihren Teil zur Dekadenz beizutragen. Flaubert, für den ich mich einfach (noch) nicht begeistern kann, sieht dagegen in meinen Augen recht blass aus. Wie sonst auch.

Seite 2 von 2

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén