Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Bargfelder Ausgabe

Arno Schmidt, Julia oder die Gemälde. Bargfelder Ausgabe IV.4

Mein zweiter Band aus Schmidts Spätwerk. Es ist ein Fragment, weil der Autor starb, bevor er das Buch beenden konnte. Es werkelt mit den üblichen Spielereien aus Schmidts Spätwerk, die hier aber nur bedingt zünden. Eine bemerkenswerte Kleinigkeit sei erwähnt: Schmidt erwähnt hier einen der ersten Commodore-Computer, sogar mit Abbildung. Der alte Mathefan wäre wohl begeistert davon gewesen, was bereits wenige Jahre nach seinem Tod mit Heimcomputern möglich war – nämlich deutlich mehr als die praktische Berechnung von Logarithmen.

Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten. Bargfelder Ausgabe IV.2

Die Schule der Atheisten war das erste Großbuch, das ich von Schmidt in die Finger bekam und las. Das Lesen war nicht immer bequem (schon wegen des Formats), die Wort- und Satzsprünge damals nicht immer leicht nachzuvollziehen, dennoch weiß ich noch, dass ich die Lektüre als solche durchaus amüsant fand.

Heute in der Rückschau bin ich  überrascht, wie wenig bleibenden Eindruck der Text bei mir hinterlassen hat. Die Hauptachsen habe ich zwar immer noch im Kopf, besonders herausragende Szenen haben sich allerdings kaum in mein Gedächtnis gebrannt. Da kommen andere Texte von Schmidt – ganz besonders KAFF – deutlich besser weg, anders kann ich es nicht sagen. Nur der Vollständigkeit halber: Der Titel spielt natürlich mit Jules Vernes Schule der Robinsons.

Alice Schmidt, Tagebuch aus dem Jahr 1954, Tagebuch aus dem Jahr 1955

Es handelt sich in dieser Ausgabe der Arno-Schmidt-Stiftung zwar um zwei Bücher, aber ich möchte sie an dieser Stelle aus inhaltlichen Gründen, aber auch aus solchen der Praktikabilität zusammen behandeln.

Arno Schmidt hat seine Frau ja mehr oder weniger dazu gedungen, Tagebuch zu führen, um eben der Nachwelt mitzuteilen, wie das Leben eines Schriftstellers seines Formats so abgelaufen ist. Einige Jahre (wenn ich mich recht erinnre erst später) schrieben beide auch parallel, was im Vergleich fraglos besonders amüsant sein dürfte.

Tja, was erfährt man so? In der Hauptsache kann man die Tagebücher als eine Art biographische Ergänzung betrachten, solange es keine „richtige“ Biographie über Schmidt gibt. Viel Detailkrams wird angeführt, vieles, was der aufmerksame Leser bereits aus den Briefbänden oder anderen biographischen Schnipseln kennt, noch einmal, oft aus einer leicht anderen Perspektive geschildert. Es ist, das kann ich einräumen, insgesamt interessant, kann aber selbstverständlich nicht ersetzen, was noch fehlt: die möglichst objektive Biographie.

Arno Schmidt, Lesungen, Interviews, Umfragen. Supplemente

Wesentlich spannender als der Fragmente-Band. Im hier vorliegenden Band der Bargfelder Ausgabe sind – wie der Titel bereits verrät – allerlei Interviews und Aufzeichnungen mit Schmidt in Transkiption wie auch auf CD enthalten. Dazu gibt es persönliche Lesungen des Heideschriftstellers. Ich muss gestehen, dass mich besonders die Inhalte der CD begeistert haben. Gehört hatte ich ihn zwar bereits durch andere Aufnahmen von Schmidt, aber ihn auch noch bewegt zu erleben, war ein besonderes Ereignis. Wie streng spielerisch da die Augenbraue zuckte. Wie seltsam er seine Frau anfuhr, die dennoch zwischendurch dreinredet und somit vermutlich leichte Einblicke in den persönlichen Alltag dieses Paars erlaubt. Ein ganz großes Stück Sekundär-„Literatur“ liegt in diesem Falle vor, jedem Freund, Kenner und Schätzer von Arno Schmidt dringend empfohlen!

Arno Schmidt, Fragmente. Supplemente

Ich glaube, von allen Bänden aus der Bargfelder Ausgabe fand ich diesen noch am langweiligsten. Er enthält in der Tat allerlei Kleinstfragmente und Übungen, leider sehr häufig für Texte, die ich auch nicht gerade zu Schmidts besten zähle. Insofern ist dieser Band für den Literaturwissenschaftler fraglos ein feiner Schatz, für mich stellt er eher dagegen keine sonderlich interessante Lektüre dar.

Arno Schmidt, Briefwechsel mit Kollegen

Ein Sammelsurium kürzerer Briefwechsel ist hier zusammengestellt. Die Qualität hängt natürlich stark davon ab, wie interessant man die einzelnen Briefschreiber findet. Neben Deschner und Döblin ist das für mich vor allem Hans Henny Jahnn.

Im Übrigen war der Kauf wohl eher dem Sammeltrieb geschuldet.

Arno Schmidt, Briefwechsel mit Eberhard Schlotter

Meines Erachtens bisher der spannendste Briefwechsel Schmidts. (Noch spannender dürfte der mit Wollschläger werden, aber auf den warten wir ja leider noch.) Ich bin ehrlich: Einzelne Bilder von Schlotter gefallen mir, mit dem meisten kann ich aber nicht viel anfangen. Zu sehr ist es in diesem pseudoleichten 50er-Jahre miefigen Kunstdesign verhaftet. Seine persönliche Beziehung zu Schmidt ist aber wirklich spannend. Nicht nur, dass Schlotter an der Ortswahl Bargfeld nicht ganz unschuldig ist, auch die Freundschaft ist eine besondere. Und ich glaube, das liegt daran, dass Schlotter anders als Michels Schmidt weite Freiräume ließ, ein vollständig eigenes Leben lebte, aber dennoch Impulse liefern konnte.
Vermutlich macht genau das diesen Band so spannend.

Arno Schmidt, Fouque und einige seiner Zeitgenossen, Sitara und der Weg dorthin, Essays und Aufsätze. Bargfelder Ausgabe III.1–4

Die dritte Kassette der Bargfelder Ausgabe enthält neben den beiden Monografien über Karl May und Friedrich de la Motte Fouqué die zahlreichen Essays, die Schmidt für Zeitungen verfasst hat. Letztere sind oft recht kurz gehalten, sprühen aber oft vor Witz, Ideen, aber auch vor Zorn darüber, wie miserabel seine Situation als Schriftsteller ist und was man politisch ändern müsste, um es Schriftstellern allgemein leichter zu machen.
Daher dürften die Essays so ziemlich das Persönlichste sein, was man von Schmidt in die Finger bekommen kann.

Die Arbeiten über May und Fouqué dagegen betrachte ich gemischt. Der Text über May, in dem Schmidt bis zum Erbrechen die These vertritt, die Bücher Mays seien an Sammelsurium an Schwulitäten, ist in der Herangehensweise nicht uninteressant, im Ergebnis aber bald sehr lähmend, weil man schnell merkt, wie sich da jemand in seine Theorie verrannt hat, es aber nicht zugeben mag.

Und Fouqué? Je nun. Von allen Schmidt-Empfehlungen halte ich den von ihm ach-so-hochgeschätzten Fouqué für den am meisten überschätzten Autor. Im Gegenteil habe ich den Eindruck, dass alles, was Fouqué anderes in seinem Leben gemacht hat, wesentlich wertvoller für die Nachwelt war als seine Texte. Und dafür ist Schmidts Annäherung an eine Biografie natürlich durchaus von gewissem Interesse. Aber mehr auch nicht.

Arno Schmidt, Dialoge. Bargfelder Ausgabe II

Die zweite Kassette der Bargfelder Ausgabe umfasst in der Studienausgabe sechs Bände zum Thema Dialoge. Damit sind hauptsächlich die Dialoge gemeint, die Schmidt fürs Radio verfasst hat.
Ich brauche an dieser Stelle nicht sämtliche Dialoge aufzuführen, möchte aber sagen, welche mir (auch akustisch) am besten gefallen. Dazu gehören die Dialoge Dya na sore, Krakatau, Hundert Jahre, Belphegor, »Fünfzehn«, Der Triton mit dem Sonnenschirm, Der Ritter vom Geist, Eine Schuld wird beglichen.
Sie zeigen einerseits, wie Schmidt aufdrehen konnte, andererseits betreffen sie meist Autoren, die mich – oft dank der Schmidt-Empfehlung – bei der Lektüre auf die ein oder andere Weise beeindruckt haben. Sei es im Positiven (Oppermanns Hundert Jahre zähle ich dazu) oder im Negativen (Dya-na-Sore ist inhaltlich wirklich gruselig).

Arno Schmidt, Werke. Bargfelder Ausgabe I

Zunächst eine kleine Vorwarnung: In der nächsten Zeit werde ich immer wieder etwas aus meiner Arno-Schmidt-Sammlung ansprechen. Um all die Leser, die mit dem Heidedichter wenig anfangen können, nicht zu verschrecken, möchte ich aber nicht über Monate ein Buch nach dem anderen durchkauen. Deshalb werde ich sie ab sofort einstreuen. Ähnlich möchte ich demnächst nebenbei mit Philip. K. Dick verfahren, denn auch hier hat sich über die Jahre so einiges angesammelt.

Heute also: die Bargfelder Ausgabe, Band I.

Geizig, wie ich oft genug zu mir selbst sein kann, leiste ich mir aus der Bargfelder Ausgabe, wenn es geht, stets nur die Studienausgaben. Zur Lektüre eignen sie sich genauso gut, wenn nicht besser, weil die Bände gewöhnlich kleinteiliger gesplittet sind. Daher besteht die Kassette „Band I“ in der Studienausgabe eigentlich aus vier Bänden im Format großer Taschenbücher.

In der ersten Kassette finden wir nun Schmidt’s Frühwerke – darunter die frühen Klassiker Leviathan, Gadir, Brand’s Haide, Schwarze Spiegel, Die Umsiedler, Aus dem Leben eines Faun, Seelandschaft mit Pocahontas und Kosmas. Desgleichen sind aber auch meine Favoriten Das steinerne Herz und KAFF auch Mare Crisium darunter. Da ich gerade die meiner Meinung nach besseren Werke in Einzelausgaben besitze, möchte ich es an dieser Stelle bei der eher summarischen Übersicht belassen und meine Lieblinge später gesondert vorstellen.

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