Es gibt vermutlich in meiner näheren Umgebung nicht ausreichend Asche, die ich auf mein Haupt schütten könnte, weil ich so spät zum ersten Mal einen Roman aus dem Hause Brontë gelesen habe. Ich weiß auch gar nicht recht, warum sich das so lange hingezogen hat: Eine frühere Freundin hat sie sehr ausgiebig gelesen (sogar das Angria-und-Gondal-Gezumsel, das qualitativ in einer wesentlich tieferen Liga spielen dürfte) und auch Schmidt, einer meiner Leib- und Magenautoren, hat sie ausgiebig gelobt. Trotz allem, irgendwie kam es nicht dazu. Nun hatte ich aufgrund einer Buchtauschaktion die Gelegenheit, Jane Eyre erst meiner Bibliothek und dann meinem Lektürezentrum einzuverleiben.

Nun zu meinen Eindrücken. Die ersten zwei, drei Seiten haben mich überrascht. Ich war verwundert, weil ich die Sätze lang, verschlungen und stellenweise unvorteilhaft fand. Nicht schlecht, wohlgemerkt, aber umständlich. Doch bevor ich mich versah, versank ich im Treibsand der Buchstaben und Wörter. Es gab Kapitel, da war ich im Text versunken wie sonst nur bei Murakami. Allerdings muss ich auch anmerken, dass dieses Versunkensein immer seltener vorkam, je mehr ich mich dem Ende näherte. Ich vermute, es lag daran, dass der St.-John-Indien-Komplex dann doch etwas zu retardierend war. Zumal die Entdeckung eines bislang unbekannten Familienzweigs mich ohnehin an die schwächsten Stellen von Goethe & Co. erinnerte. Ich gehe davon aus, dass man diesen Quark dem Zeitgefühl verdankt – was schade ist, weil sich der Text in seiner Ichsicht und Entwicklung gerade von Zeitgenössischem verabschiedet. Ein klein bisschen Radikalität hätte ihm daher auch in der Story nicht geschadet.

PS: Es war natürlich typisch, dass auf Arte eine vierteilige Verfilmung gezeigt wurde, während ich das Buch zu Ende gelesen habe.