Bücher aus der Anderen Bibliothek habe ich sehr lange sehr geschätzt. Nicht erst seit dem Weggang von Enzensberger sind meine Erlebnisse mit dieser Reiher leider enorm wechselhaft geworden. Ich bin schon vorsichtig, aber trotzdem tapse ich immer wieder in die Falle, dass ich entweder denke:

a „Boah! Interessantes Buch eines mir unbekannten Autors!“

oder

b „Boah! Interessantes Buch eines Autor, den ich zwar kenne [und schätze], von dem ich aber nicht wusste, dass er SOWAS geschrieben hat!“

Der Consolidator war eindeutig Variante b. Dabei hätten mich die Schmerzen, die ich bei der Lektüre des Crusoes hatte, mich warnen müssen. Sei es, wie es ich – im Laden dachte ich: Mensch, dit musste probieren.

Tja. Leider Armlecken. Das Buch ist – wie üblich in der Reihe – natürlich wieder fantastisch gestaltet, toll gesetzt etc. Aber der Inhalt? Ich will mal so sagen: Ich hab mich lange nicht mehr so bei der Lektüre geärgert. Das Ganze wird verkauft als „Mondbuch“. Wer nun aber eine Art frühen Jules Verne erwartet, fällt mächtig auf die Fresse. Defoe platscht einfach die zeitgenössischen politischen Entwicklungen Europas und insbesondere Englands auf die Mondoberfläche, verballhornt Länder- und Königsnamen und meckert in einem fort über Gesellschaft und Politik.

Lange hatte ich gedacht, ich würde gern mal mehr über Cromwell und seine Folgen lesen. Aber der dreifach verschlüsselte Quatsch, der selbst für einen halbwegs historisch bewanderten Menschen nur dank Anhang wenigstens ansatzweise verständlich wird, verursacht bei der Lektüre doch arge Störungen im limbischen System (und woanders). Die einzige Lehre, die ich daraus zu ziehen vermag ist: Die Briten waren schon 300 Jahre vor dem Brexit bescheuert.

Dringende Lesewarnung! Nicht kaufen! Vor allem nicht für den gepfefferten Arschpreis, der höchstens ansatzweise aufgrund der schönen Gestaltung gerechtfertigt ist!