Ja, Schulz hat wieder zugeschlagen. Und nachdem ich ihn mit der Hagener Trilogie erst vor wenigen Monaten kennen- und schätzengelernt habe, war es natürlich Ehrensache, den Viets zu erstehen, sobald ich davon erfuhr. Die Rezension im Freitag klang noch etwas gemischt, die Lektüre fand ich deutlich erfrischender als der Rezensent (und offenbar auch andere Rezensenten; mir wird permanent von irgendwelchen Verrissen berichtet).

Worum geht es? Der beim Finanzamt verschuldete Onno Viets verdingt sich aus Not und einer Laune als Privatdetektiv, stellt sich dabei eher dämlich an, hat aber etliche Male Glück im Unglück (und das auf eine amüsante, slapstickartige Weise). Schließlich lernt er ein Tier von einem Kerl vom Kiez kennen, der mit seinem Auftrag als Private Eye zu tun hat. Natürlich geht zum Ende so einiges schief, bis sogar … je nun, das Ende möchte ich nicht verraten.

Schulz bedient sich zahlreicher Techniken bei diesem Werk. Er greift nicht nur klassische Themen und Beschreibungen auf, springt behende zwischen den Perspektiven. Nein, es gelingt ihm auch, das YouTube-Phänomen zwischen zwei Buchdeckel zu pressen (und YouPorn ganz nebenbei auch). Natürlich erreicht der Viets nicht die Tiefe der Hagener Trilogie, dafür fehlen ihr schon die Seiten und die Ansichten. Aber eigentlich ist Viets eine Reinkarnation von Kolk – nur anders. Wer sich amüsieren möchte, und mehr als zwei Fremdwörter kennt, wird mit der Kiezerzählung nichts falsch machen.