Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

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Monty Python’s Flying Circus, Sämtliche Worte (1 und 2)

Ich würde gern schreiben, dass ich hierzu nicht viel zu schreiben hätte. Aber in jüngster Zeit entdecke ich in meiner Umgebung immer größere Wissenslücken hinsichtlich Monty Python. Das ist einerseits praktisch, weil man – ausgestattet mit einem passablen Python-Witzefundus – so problemlos ganze Abende lang als scheinbar genialer Alleinunterhalter wirken kann. Andererseits ist es natürlich schrecklich furchtbar, dass solch kreative Klassiker jetzt schon Vergessenheit geraten (und ja, ich weiß, dass auch die Pythons geklaut haben: bei Peter Sellers mit A Show Called Fred oder der Goon Show und der hat wiederum bei Buster Keaton geklaut …).

Zurück auf Start. In diesem praktischen Doppelband sind die Texte für alle Folgen des Circus’ vereint – leider auf Deutsch, obwohl die Übersetzung für die Umstände vielfach erstaunlich gut ist. Aber im Original wäre es selbstverständlich noch besser. Dafür kann ich Glücklicher aber immerhin auf meine DVD-Ausgabe zurückgreifen, die ich mir vor Jahren ebenfalls gegönnt habe.

Wer es kennt, weiß, dass es gut ist. Wer es nicht kennt, hat eine Bildungslücke. Basta.

Das große Dummy-Buch

Das Buch ist untertitelt mit „Das Beste und Schlimmste aus 30 mal Magazinmachen“ und kündigt an, dass es bei der Lektüre schön wird „und anstengend. Politisch und traurig. Forsch, rechtlich fragwürdig, poetisch und ekelig“.

Dem kann ich mich nur anschließen. Aber ich fang mal von vorn an. Ihr kennt sicher alle die dollen Bahnhofsläden mit all ihren Zeitschriften. Immer wieder stand ich da und wunderte mich, dass in diesem Wust an Heften, Zeitungen und bedrucktem Papier nichts war, das mich auch nur irgendwie angesprochen hat. Bis ich eines Tages über einen Umweg auf die Zeitrschrift Dummy gestoßen wurde. Dummy ist anders. Dummy ist ein kranker Bastard. Dummy ist jedes Mal anders. Dummy ist Zeitschrift im besten Sinne. Es ist ein monothematisches Heft. Also monothematisch pro Ausgabe. Die Themen sind so wild wie sonderbar, von Sex über Scheiße, Schweizer, Schmerz bis zu Frauen oder Polizei. Dabei wird jede Zeitschrift von einem anderen Art Director gestaltet – das finde ich einerseits fachlich sehr interessant, weil ich immer neue Ideen entdecke, die ich gern aufnehme und weiterverarbeite. Andererseits macht lädt auch jedes Heft zu einer neuen Entdeckungsreise ein zwischen spannenden Reportagen und Fotoserien.

Ja, ich mag das Heft. Und habe es deshalb inzwischen abonniert. Und wer es gleich für zwei Jahre abonniert, der bekommt sogar das hier vorgestellte Dummy-Buch. Und ich kann sagen: Es lohnt sich. Wer neugierig ist, dem rate ich dazu, sich einfach mal ein Heft zu kaufen und reinzuschnuppern. Es lohnt sich (fast) immer!

Wie ich neulich schon angekündigt habe, ist Erwin nun gut lieferbar.

Nach vielen Jahren an meiner Pinwand ist Erwin der Flaminguin eines Tages zum Leben erweckt worden. Und im letzten Winter hat er es nun endlich auch zwischen zwei Buchdeckel geschafft.

Im Buch geht es um den kleinen Erwin. Er wächst bei seinem Flamingovater auf, ohne seine Mutter zu kennen. Aber er ist anders als die anderen Flamingos, deshalb hat er es nicht immer ganz leicht – bevor er sich zusammen mit seiner Freundin Toja auf eine große Abenteuerreise begibt.

Das Buch über den kleinen coolen Helden ist für Leser ab 8 und kann für 9,90 Euro direkt bei mir bestellt werden: blog (bei) doctotte de (gern auch mit Signatur)

erwin der Flaminguin

Erwin der Flaminguin

 

Francois Bondi, Ragni Maria Gschwend, Italo Svevo

Svevo ist mir irgendwie sympathisch. Man mag sich ja leicht täuschen, wenn man versucht, Menschen einzuschätzen, die man nur sehr indirekt und womöglich über weite Räume oder Zeiträume getrennt „kennenlernt“, aber ich habe meines Wissens nur Zeilen über Svevo gelesen, die ihn als einen Menschen darstellten, mit dem man gern ein Glas Chianti getrunken und ein wenig parliert hätte. Zu diesem Bild trägt die kleine Rowohlt-Biographie erneut bei. Ettore, lass uns anstoßen!

Norbert Golluch, Crazy Christmas. Total verdrehte Weihnachten

Das Schöne an Sprache ist unter vielem, dass selbst „eine“ Sprache etliche Untersprachen enthält. Darunter Dialekte, Sprachen für Eingeweihte oder Berufssprachen. Damit lässt sich viel Schabernack treiben.

Das Schöne am Künstlerischen besteht unter anderem daraus, sich selbst einen gewissen Rahmen zu setzen, der für eine Aufgabe nicht überschritten werden darf. Das kann in der bildenden Kunst die Selbstbeschränkung auf Material, Größe oder Form sein. Ein aktuelles Beispiel sind Tweets: Jeder wirklich gute Tweet ist solch eine Selbstbeschränkung in der Größe. Selbstbeschränkungen in Form und Material gehen oft Hand in Hand.

Arno Schmidt hat beispielsweise in Kaff – auch Mare Crisium wunderbar das Nibelungenlied als Binnenerzählung in die Zeit des zweiten Weltkriegs tradiert. Ich selbst habe mir vor Jahren die Freude erlaubt, das Hildebrandslied in den Wilden Westen zu verlegen (ich war selbst überrascht, wie gut es da passte – die geschilderten Personen und Eckdaten wie ihre Teilnahme an den genannten Schießereien und dem Chisholm-Trail sind keineswegs ausgedacht, sondern historisch verbürgt!).

Was eine Einleitung!

Norbert Golluch war so frei – passend zur anbrechenden Saison –, sich in vergleichbarer Weise der Weihnachtsgeschichte anzunehmen und sie gleich in acht Versionen zu erzählen. Es finden sich gerappte, genachrichtensprochene oder Marketing-Fassungen einer Geschichte, die im hiesigen Kulturkreis auch dem größten Atheisten minnigstens grob bekannt sein dürfte. Besonders fein ist meines Dafürhaltens die amtsdeutsche Geschichte geraten, bei der man eine Ahnung bekommt, wie die christliche Religion wohl bereits im Anfang verhindert worden wäre, hätten dieselben Beamten vor 2000 Jahren bereits gedient.
Doch zurück zum Buch. Es ist als Kindle-Ausgabe in einem großen Online-Versandhaus erhältlich. Und wer mault, dass es mit ca. 19 Seiten nicht sooo viele Seiten hat, sei daran erinnert, dass die Originalweihnachtsgeschichte™® ja nun auch nicht gerade durch epische Breite glänzt. Zumal der Preis der Golluch-Fassungen wohl nur durch eine Gideon-Bibel zu toppen ist.

Ernsthaft. Wer aus welchen Gründen auch immer mit einem familiären Handicap geschlagen ist (Kinder, Hamster, Beamte) und die Geschichte braucht, kann hiermit für Abwechslung sorgen. Und wer wie ich froh ist, mit dem ganzen Brimborium nichts am Hut zu haben, kann sich für sich amüsieren.

Harry Shapiro, Caesar Glebbeck, Jimi Hendrix – Electric Gipsy. Die Biographie

Es gab eine Phase in meinem Leben, da hab ich gern Musikerbiographien gelesen. Also nicht wirklich viele, aber son paar schon. Eine davon war die Biographie eines der größten Gitarristen. Ich fand das Buch recht interessant. Es ist eine umfassende Darstellung, angefangen bei den Großeltern (in dieser Hinsicht ähneln US-Biographien verdächtig isländischen Sagatexten) über Hendrix’ Entwicklung als Gitarrist, über seine Konzerte, gespickt mit vielen interessanten Anekdoten. Das alles bringt dem Leser den Musiker näher, man erfährt aber auch zahlreiche Details wie z.B. über die Gitarren, die er gespielt hat. Das Buch ist für Musikinteressierte und Fans wirklich empfehlenswert.

Mark Leyner, Billy Goldberg, Warum haben Männer Brustwarzen?

Ich rate mal, dass die wenigsten erwarten, hier von einem Buch zu lesen, dessen Untertitel lautet: „Drängende Fragen, die Sie Ihrem Arzt erst nach dem dritten Martini stellen würden“. Ich räume auch ein, dass ich es mir selbst vermutlich nicht gekauft hätte. Richtig, es war ein Geschenk. Und ich muss einräumen, dass ich die Grundidee zum Buch gar nicht mal so doof finde, weil es für aufgeschlossene Menschen doch täglich Fragen gibt, auf die man keine Antwort bekommt. Zugleich möchte ich aber auch bemängeln: Dieses Buch beantwortet sie nicht und vor allem beantwortet es diese Fragen stilistisch recht rudimentär. Also gute Idee, aber bereits durch die unglückliche, weil unausgewogene Coautorenschaft herzlich missglückt. Eigentlich schade, aber in dieser Form möchte ich das Buch nicht empfehlen.

Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre

Wer mir noch einmal weismachen möchte, dass Goethe toll schreibt, dem empfehle ich zur Strafe die Lektüre des Wilhelm Meister (hier in Bd. 7 aus der  Gesamtausgabe: Romane und Novellen II). Wer danach noch nicht geheilt ist, dem ist nicht zu helfen. Und ich möchte betonen, dass ich einiges aus dem 18. Jahrhundert gelesen habe, um beurteilen zu können, dass der kitschig verklebte Meister auch zu seiner Zeit qualitativ nicht die Krone der literarischen Schöpfung war.

Günter Grass, Katz und Maus

Die Taschenbuchabteilung ist irgendwie wirklich die Ecke der Schullektüre. Katz und Maus gehört nämlich auch dazu. Und was soll ich sagen? Ich kann eigentlich nur einen Punkt positiv herausstellen: Das Buch ist angenehm kurz. Ich weiß nicht, wieso Grass so bescheuert schreibt, aber groß ist meine Lust auf die Blechtrommel bis heute nicht, obwohl mich die Geschichte sehr wohl interessieren würde. Ach, alles eine Krux mit deutschen Autoren. Viel zu viele schreiben viel zu bescheuert.

Iwan Gontscharow, Oblomow

Oblomow ist ein seltsames Buch. Obwohl die Figur des ewig faulen Idols aller Prokrastinierer beinahe sprichwörtlich ist, bleibt das Buch doch überraschend unbekannt. Als ich es zufällig in die Finger bekam (Antiquariat), war ich einerseits überrascht, andererseits aber auch erfreut. Hatte ich erwähnt, dass Bücherkauf für mich so eine Art Jagd ist? Ich muss sie entdecken, finden. Sich ein Buch einfach bei Amazon oder ZVAB zu besorgen ist dagegen nur eine Notlösung für dringende Fälle oder extrem seltene Exemplare.

Zurück zum Oblomow: Als Buch finde ich ihn insofern witzig, als die Geschichte in meiner Erinnerung extrem in den Hintergrund gerückt ist. Dagegen stechen einzelne Szenen, einzelne Handlungen bis heute sehr intensiv hervor. Besonders amüsant finde ich bis heute den Rausschmiss „Da ist das Heiligenbildchen und da ist die Tür!“ (aus dem Kopf zitiert). Das klingt gleich viel hübscher als das dämlich-deutsche „Da hat der Maurer ein Loch in der Wand gelassen“.

Wer sich für russische Literatur interessiert, sollte daher unbedingt beim Gontscharow vorbeischauen!

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