Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

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Gogols Mantel – Erzählungen aus Russland

Eine nette kleine Anthologie russischer Autoren durch etliche Jahrzehnte russischer Kultur. Gogol, Dostojewskij und Tolstoj dürften noch die meisten kennen, aber hat hier wer schon Babel, Charms und Terz gelesen? Also ich abgesehen von der Anthologie jedenfalls noch nicht. Und ich finde es durchaus spannend, welche Wege sich intelligente Autoren suchten, um in der sozialistischen Diktatur überleben zu können. Die Texte muten bisweilen an wie Schachspiele mit dem FSB. Die Autoren, die das Spiel gewannen, brauchten nicht nach Sibirien.
Hier einmal die Liste der einzelnen Texte:

  • Nikolaj Gogol, Der Mantel
  • Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Die Sanfte
  • Lew Tolstoj, Der Tod des Iwan Iljitsch
  • Anton Tschechow, Die Dame mit dem Hündchen
  • Isaak Babel, Es waren ihrer neun
  • Daniil Charms, Störung
  • Iwan Bunin, In Paris
  • Abram Terz, Pchenz

Vincent van Gogh, Feuer der Seele

Unterschrieben ist das Buch mit „Gedanken zum Leben, zur Liebe und zur Kunst, ausgewählt aus seinen Briefen“ und das trifft es sehr genau. Die Textstellen sind ausgewählt aus den Briefen, die Vincent seinem Bruder geschrieben hat, und sie erlauben oft tiefe Einblicke in den Menschen Vincent van Gogh, der die Kunst und die Auffassung der Kunst massiv geändert hat. Man erfährt auch, wie sehr er daran litt, nicht zu erreichen, was er erreichen wollte. Das Glück, von dem er leider nichts mehr hat, ist, dass er es wenigstens postum erreichen durfte.

Als Lektüre jedem Kunstinteressierten sehr zu empfehlen!

David Gilmore, The Film Club

Das Buch ist ein Geschenk eines Freundes, der hoffentlich nicht nur seine Bibliothek mit diesem und anderen Büchern entlasten, sondern mir auch etwas Gutes tun wollte (was ich einfach mal so unterstellen möchte). Er ist ein noch größerer Filmfan, als ich es bin, aber dennoch kann ich die Freude nachvollziehen, die man als Zelluloidliebhaber bei der Grundidee dieses Buchs empfinden mag. Kurz zur Handlung: Der Sohn eines kanadischen Journalisten hat Probleme mit der Schule. Der Vater macht einen ungewöhnlichen Vorschlag. Er lässt den Jungen die Schule verlassen und erspart ihm Tagelöhnerei, wenn er sich darauf einlässt, mit ihm drei Filme die Woche anzuschauen. Wer nun glaubt, dass der Sohnemann anhand der Filme das Leben kennenlernen soll, irrt. Es geht vielmehr darum, dass der Vater seinen Kontakt zum Sohn intensiviert. Die Filme sieht mehr ein Vehikel, um dem Sohn aufzuzeigen, dass und wie man sich für Dinge interessieren kann. Natürlich gibt es Probleme, nicht alles läuft glatt. Vieles dreht sich um die Beziehungen des Sohnes zu irgendwelchen Freundinnen, aber auch um die Jobsituation des Vaters, der die meiste Zeit arbeitslos bleibt. Dennoch geht alles gut aus, der Sohn findet seinen eigenen Weg in der Musik und geht am Ende sogar wieder zur Schule.

Das Buch soll wohl auf einer wahren Begebenheit beruhen. Das mag insoweit stimmen, als es über ungewöhnliche Längen verfügt, über seltsame Wendungen, die so eigentlich nur das Leben schreiben kann. So gesehen war es eine nette Lektüre mit einer interessanten Idee, aber bestmöglich umgesetzt möchte ich sie dann doch nicht bezeichnen. Immerhin hat mir das Buch ein paar Filmtipps vermittelt, die ich nachholen möchte. Danke also auch für diese Anregungen!

Norbert Golluch, Glücklicherweise waren nur Putzfrauen an Bord

„Die schönsten sprachlichen Abstürze von Politikern, Behörden und Mediengrößen“ verspricht der Untertitel dieses typischen Klobuchs. Klobuch deshalb, weil es so praktisch kleine Häppchen bietet, durch die man springen kann. Neben den Klassikern aus Politik und Sport sind auch eine Reihe lustiger Beispiele aus Zeitung, Fernsehen und Radio dabei. Aus den vielen, vielen Beispielen möchte ich nur eins zitieren: „Wussten Sie, dass jeder vierte Chinese ein Mensch ist?“ (Gut aufgelegt, WDR 4).

Wassili Grossman, Leben und Schicksal

Was wäre gewesen, wenn Tolstoi während des zweiten Weltkriegs gelebt hätte? Richtig. Er hätte Grossman geheißen. Zugegeben, das ist kein Zufall. Denn Tolstoi war Grossmans Idol, dem er nacheifern wollte. Und ich muss sagen: Es ist ihm gelungen. Er hat wirklich ein Gemälde der Schlacht um Stalingrad geschaffen, das keine dümmliche Verherrlichung einer Seite oder des Krieges oder sonst wessen ist. Es stellt einfach dar. Es stellt dar, wie die Menschen lebten in der Sowjetunion der 40er, wie sie von Stalin verfolgt wurden, wie sie dennoch alles dafür gaben, um zu überleben, um ihr Leben zu leben. Und wie sie dabei letztlich den großen vaterländischen Krieg, wie er an der Wolga bezeichnet wird, gewannen. Wegen dieser ungeschönten Darstellungen war das Buch, Grossmans Lebenswerk, lange Zeit in der UdSSR verboten. Bitter sind seine Briefe an Chruschtschow, in denen er um die Veröffentlichung fleht – ohne Erfolg (in der Ausgabe des Claasen-Verlags im Anhang zu finden). Umso dankbarer dürfen wir heutigen Zeitgenossen sein, dass wir dieses Denkmal wider den Totalitarismus jeglicher Couleur bewundern dürfen. Sehr zu empfehlen!

Wolfgang Goethe, Die Leiden des jungen Werther

Okay, okay,okay. Auch Klassiker wollen gelesen werden. Da darf der Werther natürlich nicht fehlen. Ja, ich habe ihn gelesen. Aber das ist zum Glück schon bald 20 Jahre her. Und ich muss sagen, zum Glück ist es so lange her. Denn der Werther – und da bin ich mir sehr sicher – macht eigentlich nur Spaß, wenn man Anfang 20 ist. In späterem Alter gelesen ist der Text abgeschmackt und lächerlich. Wichtig bleibt er dennoch für die europäische Kulturgeschichte. Allein der Effekt, der in der Verfilmung „Goethe“ am Ende angesprochen wird, dass alle möglichen Jünglinge wie Werther in blauer Jacke und gelber Weste herumlaufen, zieht sich noch lange durch die Literatur. Man beachte beispielsweise Hamsuns Mysterien. Und für diese Leistung ziehe ich vor Goethe den Hut. Chapeau!

Cagliostro. Dokumente zu Aufklärung und Okkultismus

Eine von der Idee hochinteressante Textsammlung, in der Zeitgenossen des großen Giuseppe Balsamo von Geschichten und Begegnungen mit dem Hochstapler berichten. Darunter Texte von Goethe, Schiller und Konsorten. Leider, leider muss ich gestehen, dass trotz der spannenden Grundidee die meisten Texte eher müde sind, weshalb ich meiner trüben Erinnerung auch bestenfalls die Hälfte gelesen habe, bis ich mir ein Buch griff, das mehr Hochspannung versprach. Also sowas wie das Telefonbuch oder so. Wer weiß, vielleicht schaue ich eines Tages doch noch mal rein.

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch

Es gibt eine Reihe von Leuchttürmen in der deutschen Literatur, die man einfach kennen muss, so wie ein Brite gefälligst auch mit Shakespeare vertraut sein sollte, wenn er nicht als kompletter geistiger Hampelmann gelten möchte. Zu den deutschen Leuchttürmen gehört – selbstverständlich nach Größen wie dem Nibelungenlied – definitiv der Simplicissimus. Ihn zu kennen heißt den 30-jährigen Krieg zu verstehen heißt Deutschland zu verstehen. Er gleicht einem Nullmeridian der deutschen Moderne. Und für die sprachlich unbedarften Zeitgenossen gibt es mittlerweile sogar eine Version in modernem Hochdeutsch.

Nikolai Wassiljewitsch Gogol, Sämtliche Erzählungen

Gogol hat eine sehr eigene, ziemlich packende Form der Schreibe. Dass es mir schwer fällt, sie genauer beschreiben zu können, liegt fraglos daran, dass ich schon lange nichts mehr von ihm gelesen habe. Trotzdem kann ich mich noch an „Die Nase“, den „Mantel“ oder „Taras Bulba“ erinnern. Einzelne eindrucksvolle Bilder (wie die Nacht in der Kirche mit dem Toten) schweben ebenfalls noch in meinem Hinterstübchen herum, wenn ich auch aus dem Stand nicht mehr sagen kann, aus welcher Erzählung sie sind. Durchaus empfehlenswert, aber auch nicht schlimm, wenn man (noch) nichts von Gogol kennt.

Karl Gutzkow, Die Ritter vom Geiste

Eine für mich große Entdeckung. So quälend die Lektüre auf manchen Seiten auch war: Die Ritter enthalten so manche Szene, die mir auch heute noch, etliche Jahre nach der Lektüre, so nachhaltig und bildhaft im Gedächtnis geblieben sind, dass ich Gutzkow einfach nur dankbar bin für dieses Werk! Nur schade, dass der Zauberer von Rom deutlich schlechter sein soll.

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