Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Franz Kafka, Das Schloss

Zu Kafka habe ich eine ungewöhnliche Verbindung. In der Schule, wo Kafka vermutlich bis heute gern missbraucht wird, konnte ich überhaupt nichts mit ihm anfangen, verweigerte mich auch durch die Bank den Interpretationsansätzen meiner Lehrer (was mir sogar einmal eine 5 einhandelte). Wie dem auch sei. Nach der Schule und vor allem während des Studiums fand ich besseren Zugang zum Werk des wohl berühmtesten Autors aus Böhmen.

Das Schloss ist nun einer der Romane – kann man es wirklich Roman nennen? –, das nicht abgeschlossen wurde und in dieser Form eigentlich nicht zur Veröffentlichung gedacht war. So gesehen ist es praktisch ein Über-die-Schulter-Gucken ins Kafkaeske. Leider nimmt diese Perspektive aber auch eine Portion Qualität. Es fehlen Überarbeitungen; das was man hier bekommt, ist noch nicht rund. Umso ärgerlicher, wenn man weiß, was Kafka woanders auf die Beine gestellt hat. Dennoch möchte ich das Schloss empfehlen, zumal es wohl bei nur wenigen Autoren so einfach ist, sich einen Überblick über das Gesamtwerk zu verschaffen wie bei Kafka.

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  1. Uns hat man in der Schule mit „Die Verwandlung“ gequält. Seit dem habe ich Kafka links liegen lassen. Und wenn ich die Wahl habe, dan greife ich auch heute noch lieber zu einem anderen Buch.

    • Gut, man muss ein offenes Auge für die Welten haben, in die Kafka uns eintauchen lässt. Aber wenn man dazu bereit ist, kann man so bemerkenswerte wie sonderbare Dinge erleben.

  2. Ich muß zugeben schon lange kein Werk Kafkas mehr in die Hand genommen zu haben. So gut mir das Schloß gefällt, braucht man doch schon einen ausgeglichenen Gemütszustand um es zu lesen. Die deprimierenden Wahrheiten, die es enthält machen es schon fast zu einer jugendgefährdenden Schrift. Auf die heutige Zeit bezogen ist es vielleicht aktueller denn je, dennoch laß ich doch erstmal lieber die Finger davon – zuviel negative Schwingungen. Ein großes Werk, vielleicht auch gerade weil es nicht rund ist.

    • Interessant, wie düster das Schloss wirken kann; ich selbst finde den Process viel düsterer. Das liegt in Teilen am Ende, aber ich finde auch die Hilflosigkeit im Process ärger.
      Übrigens weißt Du auf einen bemerkenswerten Aspekt hin: Ich vertrete gern die These, dass Hesse besser für Teenager geeignet ist. Obskurerweise wird Hesse aber offenbar nie in der Schule gelesen (ich kenne jedenfalls niemanden, der ihn in der Schule thematisiert hat). Dagegen bekommt man Texte von Kafka, Goethe und Döblin um die Ohren gehauen, die man in dem Alter noch gar nicht richtig verstehen kann. Gut andererseits schult es natürlich auch das Leseverständnis, das räume ich gern ein.

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