Es ist eine Binsenweisheit, dass Menschen wie Morrison heute eine ganz andere Stellung besäßen, wenn sie noch lebten. Sie wären lange nicht die Ikone, die sie seit ihrem Tod sind. (Und in dieser ikonographischen Hinsicht gehören nicht nur die Mitglieder des Klubs der 27, sondern auch Leute wie James Dean, Marilyn Monroe oder Che Guevara.) Das schmälert aber nicht das Interesse an denjenigen, die mit nicht einmal drei Dekaden mehr erreicht haben als die allermeisten Menschen mit doppelt so viel Jahrzehnten Leben. Deshalb betrachte auch ich mich entschuldigt, gern mehr über das Leben dieses James Morrison zu erfahren.

Diese Biographie ist ein Schlüssel zum Verständnis seiner Person (mit Betonung auf „ein“). Man erfährt mehr über seine Hintergründe, über sein familiäres Umfeld, seine Einflüsse aus der Literatur – so zitierte er William Blake nicht erst in Doors-Liedern, sondern schon in High-School-Zeiten Lehrern gegenüber. Und man erfährt etwas darüber, wie er zusammen mit Ray Manzarek die Doors gründete, um sie schließlich in einem Mix aus Sättigung, geistig-körperlicher Verfettung, Alkoholsucht und einer gehörigen Portion Auseinanderlebens zu verlassen für eine „Karriere“ als Poet in Paris.
Unabhängig davon, dass er an dieser Karriereplanung schon durch seinen Tod gescheitert ist, möchte ich meinen, dass Morrison auch so in Paris gescheitert ist.
Seine dort verfassten Texte drehen sie bestenfalls im Kreis, schöpferisch kann er die Sackgasse, in der er saß, nicht verlassen. Statt in Paris hätte er zudem auch in einer Kleinstadt in der Pfalz leben können, denn die Umgebung nahm er praktisch kaum auf. Er blieb vielmehr ein Fremdkörper.

Es ist müßig, gedankenzuspielen, inwieweit er noch Größeres hätte leisten können, wenn er nicht gestorben wäre. Vielleicht hätte er ähnlich wie Cocker und Turner in den 80ern ein Comeback als Solokünstler hingelegt. Man weiß es nicht. Aber um im klassischen Bild – die helle Kerze brennt schneller – zu bleiben: Morrison flackerte nur noch, als er in Paris war; es scheint, als habe er sein Pulver zuvor verschossen.

Zum Buch: Qualitativ fand ich es nicht so wertvoll wie die Hendrix-Biographie, aber es bleibt insbesondere für den Fan durchweg informativ und interessant.