Tan Twan Eng, Das Haus der Türen

Vorab: Ich kenne lediglich zwei Romane von Somerset Maugham. Ich weiß, dass sie mir beim Lesen durchaus gefallen haben, aber sie haben keinen besonder nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Ihn als Schriftsteller in einem Roman zu behandeln, scheint mir durchaus eine gute Idee. Als Mensch, als Figur bietet er genug.
Nun zum Buch. Von Tan Twang Eng hatte ich noch keine Zeile gelesen, es war also ein Überraschungspaket. Und im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass ich es interessant fand. Es liest sich flüssig, man möchte auch dranbleiben.
Aber, und jetzt kommen sogar drei Aber. Der Übersetzerin Michaela Grabinger und/oder dem Lektorat möchte ich oberdringend die Lektüre der Rechtschreibregeln ans Herz legen, insbesondere den § 55. Fremdsprachige Substantive werden in deutschen Texten großgeschrieben. Das ist nicht nur Paragrafenreiterei, sondern hat auch den Zweck, dass man sie beim Lesen genauso schnell als Substantive aufnehmen kann wie die deutschen Substantive. Anders – richtet man sich bei fremdsprachigen Substantiven nach der Schreibung der Herkunftssprache, stolpert der Leser, und zwar nicht im angenehmen Sinn. Noch abstruser wird das Ganze aber, wenn es nicht einmal einheitlich ist, selbst bei Kopplungen. Das Haus der Türen enthält sehr viele Vokabeln aus Afrikans, Malayisch, Chinesisch und was sonst noch. In 9 von 10 Fällen sind sie durchweg kleingeschrieben. In 1 Fall sind sie plötzlich doch großgeschrieben, und zwar ein und dieselbe Vokabel. Ein paar Beispiele:
– „vor dem stoep“
– „Gula-Malacca-Sirup auf mein chendol“ und direkt im Anschluss: „die Süße des gula Malacca“
– „manek-manek-Schuhe“
– „stauten sich die gharries und die Pferdewagen“ (sogar mit Artikel davor; wie viel deutlicher möchte man es noch machen?)
– „angmoh“, aber „Angmoh-Freunde“
Liebe Leute, das ist wirklich sehr nervig und anstrengend bei der Lektüre!
Außerdem bricht sich kein Übersetzer ein Bein, wenn er Wörter wie Foot, Feet und Inch übersetzt. Dafür gibt es nämlich – Überraschung! – deutsche Wörter!
Beim letzten Aber bin ich mir nicht sicher, ob es die Übersetzerin betrifft oder der Autor schon gemurkst hat: Die Bilder und Metaphern sind einfach furchtbar. „… während ein weiterer Tag seinen Docht hinter den Bergen hinunterdreht.“ – das klingt nicht lyrisch, sondern albern. Und das betrifft sämtliche Stellen, die in diese Richtung gehen. Zu unser aller Glück sind sie allerdings selten im Buch.
Fazit: Während der Lektüre selbst war es kurzweilig. Aber wenn ich es nicht gelesen hätte, hätte ich nichts vermisst.


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