Annette Dittert, Dear Britain

Eine mir nahestehende Person hat vor nicht langer Zeit behauptet, ich wäre mit Frau Dittert per du. Das stimmt natürlich nicht, stammt aber wohl daher, dass ich erzählt habe, dass sie auf einen meiner Posts in Bluesky mal reagiert hatte. Die nahestehende Person hat mir jedoch vor Kurzem Ditterts Buch Dear Britain geschenkt – und ich habe mich darüber gefreut.

Letzte Woche habe ich es zu Ende gelesen. Es besteht aus elf Texten, die ich als Essays bezeichnen würde. Sie sind wissend, gut recherchiert, glänzen mit Detailwissen, das meist interessant, manchmal auch britisch-absurd ist. Die Lektüre hat also Spaß gemacht.

Als ich mit dem Buch fertig war, hatte ich aber trotzdem ein komisches Gefühl. Ich hatte es begonnen in der Erwartung, einen Snapshot der aktuellen britischen Gesellschaft zu bekommen. Das stimmte auch in gewisser Weise. Aber im Lauf der Lektüre hatte ich mehr und mehr den Eindruck, dass es sich mindestens genauso wenn nicht mehr wie eine Art Rechtfertigung liest. Eine Rechtfertigung, warum Dittert in London geblieben ist und warum sie uns als Fernsehkorrespondentin verlassen hat. Deshalb der Hinweis, dass ich die Texte trotz aller Reportage-Inhalte als Essays betrachte im besten Montaigne’schen Sinne: Die Gedanken bleiben zwar beim Thema, kreisen aber mal dorthin, schwimmen mal hierhin und finden immer wieder den Bezug zu Dittert und ihrer Entscheidung, auf einem Hausboot in London zu leben.

Bei der Wiederlektüre würde ich es daher eher unter diesem Blickwinkel lesen und weniger mit Fokus auf Britannien. Trotzdem halte ich es für ein gutes, kundiges und aktuelles Buch. Es vermag sogar ein bisschen, die Lücke zu schließen, die Ditterts Weggang von den ARD verursacht hat. Ich hoffe, dass sie uns auch in Zukunft an ihrem klugem Blick auf ihre neue Heimat teilhaben lässt.


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