Gallia est omnis divisa in partes tres quarum unam incolunt Belgae … – wer einmal damit traktiert wurde, wird zumindest den Anfang in seinem Leben sicher nicht mehr vergessen. Man kann von dem Text halten, was man will (als großer Stilist gilt Caesar zu Recht ja nicht gerade), aber dieser Mann war meines Erachtens bis heute eine der prägendsten Figuren für dieses zerklüftete Nordwestkap Asiens, das wir Europa schimpfen. Man braucht nur einmal zu rekapitulieren, was wir ihm alles verdanken: Er hat die Romanisierung weiter Teile Europas eingeleitet (die Augustus noch forciert hat), er hat die römische Republik auf die Schlachtbank geleitet (wo sie dann von seinen Freunden und Feinden gemeuchelt wurde), seinem Namen verdanken zig Generationen von Herrschern ihren Titel (Kaiser, Zar) – ohne Caesar wäre Europa heute nicht das, was es ist. Die Franzosen sprächen kein Französisch (ja es gäbe sie in der Form gar nicht), dasselbe gilt analog für die Bewohner der iberischen Halbinsel. Eine ganze Reihe von Städten gäbe es heute nicht, darunter das vielseits hochgeschätzte Köln. Tja, und nicht zuletzt gäbe es auch eine Reihe von Redensarten nicht ohne diesen eigentlich skrupellosen, machtgierigen JR der Antike: der Rubikon ist überschritten, die Würfel sind gefallen … Ja, wenn ich es recht überlege, sollte man vielleicht wegen all dieser Wichtigkeiten doch mal was von ihm gelesen haben. Zumindest als Europäer.