Als Person fand ich T.C. Boyle ja durchaus schon länger interessant. Einen Anlass, etwas von ihm zu lesen, bot sich dagegen über die Jahre partout nicht – bis der Roman América im letzten Jahr als Gratisbuch auf der Buch Wien verschenkt wurde. Zu der Frage, warum da grundsätzlich bekannte, sich gut verkaufende Autoren gratis rausgegeben werden, aber nie aufstrebende Jungautoren, die man auf diese Weise fördern könnte, schweige ich an dieser Stelle lieber.

Nun denn, ich dachte: Das ist doch mal eine Gelegenheit. (Betonung auf das.) Schließlich begann ich um die Weihnachtstage mit der Lektüre, hing dann wegen mangelnder Zeit lang mittendrin fest, konnte das Buch aber vor kurzem beenden.

Fassen wir es zusammen: Gute Erzählung, auch gut erzählt. Stilistisch sind Boyle und/oder der Übersetzer Werner Richter bestenfalls so lala. Das zeigt sich schon in der Tatsache, dass ich mir aus 460 Seiten Taschenbuch lediglich zwei Sätze notiert habe, die eine interessante Formulierung beinhalten. (Zum Vergleich: Bei Montaigne ist es beinah umgekehrt.)

Besonders bizarr finde ich, dass die nordamerikanische Hauptfigur Delaney so nah an der Person Boyle zu sein scheint, dass sie seltsam aus der Handlung schwebt. Sie gehört nur teilweise zu den Figuren im Roman. Gleichzeitig besticht die mexikanische Hauptfigur Cándido durch einen Aufbauwillen, der mich vor allem zum Ende hin wiederholt an Hamsuns Segen der Erde erinnerte. Hier versucht jemand, gegen sämtliche Widerstände seinem Schicksal ein kleines bisschen Glück abzutrotzen und nimmt keine Rücksicht auf persönliche Verluste. Ja, die meiste Zeit beklagt er sich nicht einmal.

Wie dem auch sei. Ich löge, wenn ich das Buch guten Gewissens empfähle. Aber schlecht ist es auch nicht. Es macht mir nur keine Lust auf mehr Boyle.