Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Historia von D. Johann Fausten (Kritische Ausgabe), Reclam

Irgendwo zwischen den Essays und Briefen hat Arno Schmidt sich einmal darüber mokiert, dass Stifter so miserabel geschrieben hat, dass man ihn eigentlich ins Deutsche übersetzen müsste. (Er bot sich gleich selbst als Übersetzer an: „Der Hochwald von Adalbert Stifter. Deutsch von Arno Schmidt“.) Daran musste ich denken, als ich vor ein paar Jahren erfuhr, dass sich allen Ernstes jemand daran machte, den Simplicissimus modern umzuschreiben, weil ihn die Leser heute im Original nicht mehr verstünden. Ob es der Lesekompetenz dauerhaft zuträglich ist, wenn man hochkomplexe Originale über eine Art Kindersprache vermittelt, sei nun mal dahingestellt. Ich selbst gehe – zugegebenerweise aufgrund öffentlicher und privater Studien mit anderen Kompetenzen ausgestattet als der gemeine Dorf-, Wald- und Wiesenleser – den gegenteiligen Weg. So amüsiere ich mich wesentlich mehr bei der Lektüre wie der hier vorliegenden Historia von Fausten als beim öden Geschwätz Goethes. Dabei ist mir sehr wohl klar, dass nur eine Minderheit die Vorlage aus dem 16. Jahrhundert überhaupt versteht. Den anfänglichen Gedanken fortsetzend frage ich mich nebenbei: Gibt es eigentlich schon den goetheschen Faust in Kanaksprak?

Fau5t: Da steh isch jetz, isch Idiot
und mein Mudder is so fett wie tot.

oder:

M3ph!st0: Ey, isch bin der Typ, wo alles disst!
Fau5t: Ey, isch ficke disch!

Ähem. Zurück zum Thema. Die Historia (seit 1587 in gedruckter Form vorliegend) bringt die Geschichte um den Forscher Faust viel besser auf den Punkt als das Geschwaller Johann Wolfgangs. Ehrlich gesagt hatte ich auch den Eindruck, dass diese Vorlage zudem viel fröhlicher ans Thema geht als der Epigone des 19. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass die Lektüre der Vorlage dem interessierten Leser mehr Spaß macht.

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  1. maja

    ja, stimmt. das machen die auch

  2. maja

    Vorgestern war ich in der Innenstadt, ich hab mal ie leute beobachtet, jeder für sich, ein Smartphone in der Hand und glotzt nur dort hinein, egal wo, auf der Strasse, beim Zahnarzt, im Bus, in der Bahn. keiner spricht mit dem anderen und tippt nur in dieses Schrottgerät irgendwelche Sachen. Wo führt das noch hin, frage ich mich, ein Buch hat keiner gelesen

    • Besonders amüsant finde ich die Vorstellung, dass diese Leute sich gegenübersitzen und übers Smartphone Nachrichten schicken. :DD

  3. maja

    Smartphones sind Schrott pur. Der Mensch lässt sich verdummen und viel zu viel von allen Neuerungen und Schrottprodukten beeinflussen. Das steht mal fest.

    • Je nun, es gibt schon ein paar praktische Funktionen. So nutze ich mein Smartphone gern, um während der elendig langen Pendelei wenigstens schon mal auf dem neusten Stand bei den Nachrichten zu sein (ich bin nämlich Nachrichtenjunkie, aber das nur nebenbei). Aber deswegen starre ich nicht permanent auf diesen kleinen Kasten.

  4. Das klingt ja mal wieder mächtig interessant!
    Und ich schließe mich dir an, gewisse Ansprüche sollten bleiben, damit man sich an ihnen messen oder daran wachsen kann. Stetige Senkung des Niveaus, die ja schon seit ca. 20 Jahren voll im Gange ist, führt nur zur kompletten Verdummung. Das dumme (haha..) daran ist, der Mensch scheint sich aus reiner Bequemlichkeit gerne verdummen zu lassen. Jeder Handgriff, jeder Gedanke der einem abgenommen wird, ist eine willkommene Erleichtung.

    Gestern stand doch in der FAZ in einem Leserkommentar, Smartphones seien nützliche Werkzeuge, die einem helfen „den Alltag zu meistern“. Ob dieser Mensch überhaupt weiß wovon er da spricht?

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