Bisweilen liest man ja, dass Dick für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts das war, was Kafka für die erste war. Da kann man sich denken, dass ich nicht wenig überrascht war, zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Buch zu lesen, dass zu Beginn an Kafka erinnert und mittendrin wie beste Ware von Dick wirkt.

Mit der „Schlange“ hatte ich zwar bereits einen Sorokin gelesen, aber das hier ist anders. Auch stark, aber ganz anders stark. Sorokin sprüht vor Einfällen, bringt sie aber so lapidar vor, dass dem Leser alles ganz normal vorkommt. Seien es Zwerge, Riesen, Mini- und Mammutpferde oder sogar Zombies (bei denen er sich fleißig der Mauerschau bedient). Selbst Sex und Etliches an Kraftausdrücken und Beleidigungen kommt wieder breit vor. Hier bin ich übrigens auf das Urteil meiner russischen Bekannten gespannt, die mir verraten haben, dass die „Schlange“ auf Deutsch deutlich harmloser ist als das russische Original.

Gut, der Schluss wirkte dann etwas unmotiviert – ich hatte den Eindruck, dass er nicht mehr wusste, wie er aus der Sackgasse rauskommen sollte –, aber gnädigerweise hat er ihn dann auch nicht übermäßig ausgewalzt. Wer also durchaus eine Prise Phantasie in der Lektüre verträgt, kommt hier nicht zu kurz.

Und hier noch ein kleiner Lesetipp zu einer Parallelrezension.