Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Michael Cunningham, The Hours

Irgendwie seltsam, aber obwohl das Buch gut geschrieben ist, wurde ich beim Lesen nicht so recht warm damit. Ob es daran liegt, dass es eine eher stille Story ist? Oder ist der Grund, dass ich die ganze Zeit daran denken musste, dass das Buch ausgerechnet mit Untalent Nicole „One Face“ Kidman verfilmt werden musste?

Ich weiß die Gründe nicht, fand das Unvermögen, damit warm zu werden, aber schon bei der Lektüre bedauerlich. Denn das ist der Witz: Es ist sowohl im Stil als auch in der Geschichte und in der Konstruktion wirklich gut. Da kann es keinen Zweifel geben. Besonders angetan war ich in dieser Hinsicht von Cunninghams Fähigkeit, so wenig Striche wie nötig auf die Leinwand zu setzen. Da ist keine Szene, keine Beschreibung zu viel. Ein Können, das ich wirklich sehr schätze!

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  1. Als ich „The Hours“ gelesen hab, war ich ziemlich davon geflasht. Ich hatte aber auch kurz vorher erst „Mrs. Dalloway“ gelesen, und hab mich dann in einer Hausarbeit noch auf Motivsuche begeben und die Konstruktion auseinander genommen, und für den Literaturwissenschaftler und Spurensucher ist das ein gefundenes Fressen. Das mit der Distanz, fand ich, liegt auch daran, dass zumindest die Story der Mrs. Brown grade auf so einer Nicht-Verbindung mit ihrer Umwelt basiert. (Oder auch: bei allen diesen depressiven Figuren.) Vielleicht, vielleicht liegt es aber auch daran, dass Cunningham beim Schreiben vor lauter Konstruktion zu wenig Raum dafür gelassen hat, sich selber zu überraschen. Oder eben: für die Seele.

    • Die Distanz fand ich aber nicht nur bei Mrs. Brown groß. Auch Mrs. Dalloway bleibt – bei aller Nähe, die sie für Figuren im Buch erzeugt – dem Leser doch eigentlich eher fern.

    • Ja, Mrs. Dalloway sollte man zumindest irgendwann vor diesem Buch einmal gelesen haben, dann hat man diesen Flash.

      • Ist natürlich seltsam, so ein Buch als Antwort auf ein Buch… Wobei ja durchaus etwas übrig bleibt, auch wenn man diese Verbindung nicht hat.

      • Das sowieso. Ich meinte im vorstehenden Kommentar aber die Mrs. Dalloway aus The Hours. 😉

  2. Gutes Handwerk ist manchmal eben nicht mehr als Handwerk. Zum Begeistern braucht es noch ein Quentchen Seele. 😉

    • Da gebe ich Dir grundsätzlich recht. Es kann auch durchaus sein, dass das hier der Knackpunkt ist, aber sicher bin ich mir nicht.

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